Eine Feuerwehrfrau läuft durch ein von Buschfeuern zerstörtes Areal in Australien. In der extremen Hitzeperiode im Jahr 2013 brannten zahlreiche Wälder. ©  REUTERS/David Gray

Steigende Temperaturen und steigender Meeresspiegel treffen auf schmelzende Gletscher – die Folgen der Erderwärmung zeigen sich in vielen Varianten. Doch mittlerweile sind längst nicht nur solch schleichende Konsequenzen zu verzeichnen. Der Klimawandel fördert auch extreme, plötzlich auftretende Wetterereignisse, wie Hitzewellen und Starkregen. Das zumindest zeigen Berechnungen eines Schweizer Forscherteams (Fischer & Knutti, 2015).

Unter Wissenschaftlern gilt längst als gesichert, dass der Mensch den Klimawandel bedeutend vorangetrieben hat. Zwar ändert sich das Klima seit Langem stetig, doch mit der Industrialisierung und damit ansteigenden Treibhausgasemissionen begann sich die Erde so richtig aufzuheizen.

Für ihre Berechnungen nutzten die Klimatologen der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich daher Modelle, die Wetterlagen zurück bis ins Jahr 1901 simulieren sowie künftige bis 2100 abschätzen. Wie sie im Magazin Nature Climate Change schreiben, verursache der menschengemachte Klimawandel demnach 75 Prozent der weltweit auftretenden Hitzewellen und knapp 20 Prozent der extremen Regenfälle.

Schwieriger sei dagegen, kleinräumige Ereignisse wie schweren Hagel oder Tornados zu erfassen, sagt Studienautor Erich Fischer. Viele Studien können keinen erkennbaren Einfluss des Klimawandels auf diese Phänomene zeigen.

Weil kein Ende der Erwärmung in Sicht ist, untersuchten die Forscher zudem, wie häufig Extremwetterlagen abhängig vom künftigen Anstieg der Temperaturen auftreten werden. Erwärmt sich die Erde beispielsweise um zwei Grad – im Vergleich zum vorindustriellen Niveau – steigt laut Fischer und Kollegen die Wahrscheinlichkeit von Hitzetagen gegenüber heute um das Fünffache. Ähnlich dramatisch entwickeln sich demnach die extremen Regentage. Bei einem Plus von zwei Grad wären dann 40 Prozent der Niederschlagsextreme auf den Klimawandel zurückzuführen.

Noch 1,15 Grad bis zur Zwei-Grad-Marke

Ein bedeutendes Ergebnis. Denn in Klimadebatten taucht die Zahl wiederkehrend auf: Der Weltklimarat will die globale Erwärmung auf zwei Grad begrenzen, um Ökosysteme, Gletscher oder Meeresströme vor irreparablen Schäden zu schützen. Wie die Studie der Schweizer Klimatologen zeigt, leidet die Umwelt jedoch schon heute, obwohl die Werte noch weit unterhalb dieser Grenze liegen. Im Vergleich zur vorindustriellen Zeit hat sich der Planet um 0,85 Grad erwärmt, schreiben die Forscher. Es fehlen demnach "nur noch" 1,15 Grad zur Zwei-Grad-Marke.

Der Klimatologe Peter Stott betont in einem Begleitartikel, weitere Forschung sei nötig, um regionale Auswirkungen zu berechnen. Auch sei anhand der Berechnungen von Fischers Team noch nicht möglich, verschiedene menschengemachte Einflüsse auf das Klima zu unterscheiden. Dennoch findet er die Ergebnisse bemerkenswert. Sie seien wenig fehleranfällig und erlaubten, die Effekte der globalen Erwärmung auf extreme Wetterereignisse im Allgemeinen besser abzuschätzen.

Das vergangene Jahr war das bisher wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die globale Temperatur war konstant so hoch wie nie. Sie lag 0,69 Grad über dem Mittel des 20. Jahrhunderts. Auch plagten vermehrt Hitzewellen Australien und Europa. Selbst in Teilen Russlands und in der Arktis stiegen die durchschnittlichen Tagestemperaturen um zehn Grad. Damit war es etwa im Januar in Moskau zwei Grad warm, während um diese Zeit eigentlich Minus neun Grad herrschen sollten.