Auch der Marmor-Querzahnmolch ist durch den Klimawandel bedroht. © Mark Urban

Der Kaskadenfrosch lebt, wo andere Urlaub machen. An schnellfließenden Flüssen und in malerischen Wasserfällen ist er zu Hause. Seine Eier heftet er unter Wasser an Steine. Ansonsten sitzt er gern oberhalb der Wasseroberfläche auf überspülten Felsen. Seine bräunlich gescheckte Haut bietet ihm dort eine gute Tarnung vor Schlangen und anderen Raubtieren, denen er als Beute dient.

Gegen einen weit größeren Feind können seine Tarnfarben ihn jedoch nicht schützen. Der Klimawandel bedroht die kleine Amphibie – und nicht nur sie. Zahlreiche Arten werden künftig den steigenden Temperaturen auf der Erde zum Opfer fallen. Wie viele es tatsächlich sind, hat der Biologe Mark Urban von der Universität Connecticut abgeschätzt (Urban, 2015). Das Ergebnis: Jede sechste Spezies wird aussterben, wenn die Emission von Treibhausgasen nicht reduziert und somit die Erderwärmung weiter vorangetrieben wird.

Urban analysierte für seine Publikation im Fachmagazin Science 131 Studien, die jeweils unterschiedliche Einflüsse auf das Artensterben untersucht hatten. Neben dem globalen Temperaturanstieg haben etwa auch spezifische Eigenschaften einer Tierart und die Veränderung ihres natürlichen Lebensraums einen Effekt auf ihr Überleben. Besonders stark sind zum Beispiel jene Arten gefährdet, die genetisch wenig vielfältig sind oder deren Habitate schrumpfen. 

Die Analyse der Studien zeigt auch: Einige Regionen sind weit schlechter erforscht als andere. Während die Artenvielfalt in Amerika, Europa und Australien gut untersucht ist, bestehen große Kenntnislücken über den asiatischen Raum. Daher sind vermutlich weit mehr Tiere gefährdet als Studien bisher belegen.

Überleben erfordert Anpassung

Spezies, die überleben wollen, sind gezwungen, sich anzupassen. Sie müssen sich in neuen Lebensräumen ansiedeln und sich etwa auf neue landschaftliche Begebenheiten und Temperaturunterschiede einstellen. Doch in vielen Fällen ist nicht bekannt, wie gut Tiere sich anpassen können. "Urbans Untersuchung zeigt, was unser Unwissen über diese Abläufe ausmacht", schreibt die Biologin Janneke Hille Ris Lambers ebenfalls in Science. "Kennen wir die Ausbreitung einer Art und die Schwelle, ab der die Größe ihres Lebensraums zur Bedrohung wird, können wir auch den Verlust der Biodiversität abschätzen."

Aktuell sind knapp drei Prozent aller Arten weltweit durch die globale Erwärmung bedroht, jede sechste wird es sein, wenn die Menschheit nichts gegen den Treibhauseffekt unternimmt. Doch selbst wenn wir das Zwei-Grad-Ziel erreichen, wird sich die Rate des Artensterbens noch fast verdoppeln.

Unmittelbar fällt es dem Menschen nicht auf, wenn Arten wie der Kaskadenfrosch ausgelöscht werden. Sein Verschwinden beeinflusst jedoch wiederum andere Spezies wie etwa Schlangen oder Waschbären, denen er als Futter dient. So sind vom Aussterben einer Art auch stets unmittelbar weitere Tiere und mitunter ganze Ökosysteme bedroht.