Blautöne, ein niedlicher aufgedruckter Tintenfisch, ein stylisches U-Boot. Die Kleidungsstücke aus der Kollektion Raw for the Oceans transportieren ein gutes Gefühl: Hiermit siehst du nicht nur trendy aus, du tust auch der Umwelt etwas Gutes. Denn die Jacken, Hosen und T-Shirts des Jeansherstellers G-Star enthalten recyceltes Plastik aus dem Ozean. Beim Shoppen die Welt retten – klingt großartig.

Schließlich ist Plastikmüll weltweit ein riesiges Problem: Mindestens 270.000 Tonnen Plastik schwimmen in den Ozeanen, vermutlich Millionen Tonnen lagern in der Tiefsee. Tiere verwechseln den Kunststoff mit natürlicher Beute und verenden, der Magen voller Müll. Nachdem G-Star in Kooperation mit dem Recycling-Modelabel Bionic Yarn des Musikers Pharrell Williams vergangenes Jahr eine Ozean-Kollektion präsentiert hatte, hat nun auch Adidas angekündigt, Kleidung aus recyceltem Meeresplastik herstellen zu wollen.

"Wir entwickeln gerade Materialien, die sich für T-Shirts, Sweatshirts oder Trainingsanzüge eignen würden, aber auch für die Oberseite von Schuhen, soweit sie aus Textilmaterialien sind", sagt Jochen Denninger, der das Projekt bei Adidas leitet. Mitte kommenden Jahres sollen die ersten Ozean-Klamotten in den Regalen liegen. Neben Spezialkollektionen plant der Konzern auf lange Sicht, existierende Plastikelemente in vielen Produkten durch Meeresplastik zu ersetzen.

Sind solche Aktionen wirklich sinnvoll? Oder handelt es sich um Greenwashing, also Maßnahmen, die Unternehmen einfach nur einen grünen Anstrich verleihen sollen?

Angeregt hat die Projekte von G-Star und Adidas die Meeresschutzorganisation Parley for the Oceans (Verhandlung für die Ozeane). Deren erklärtes Ziel ist es, Menschen aus unterschiedlichen Branchen zum Schutz der Ozeane zusammenzubringen – zum Beispiel Produktentwickler, Künstler und Wissenschaftler.

"Wir müssen es für Unternehmen lukrativer machen, die Ozeane und die Natur schützen, als sie zu zerstören", sagt Cyrill Gutsch, Begründer von Parley for the Oceans. Deshalb haben sich Gutsch und sein Team an Adidas und G-Star gewandt und versucht, die Firmen davon zu überzeugen, dass die Plastikflasche am Strand hochwertiges Material für die Fashion-Industrie ist.

Gutsch will den Ozeanen Gutes tun. Dafür brennt er. Mit Leidenschaft erzählt der Designer aus dem Schwarzwald, wie er 2012 Captain Paul Watson traf, den Gründer der Walschutzorganisation Sea Shepherd. Nach dem Gespräch mit Watson sei ihm bewusst geworden, dass er bisher "nichts Sinnvolles zur Gesundheit unseres Planeten beigetragen" habe, sagt Gutsch. So sei die Idee für Parley for the Oceans entstanden. Mit Sneakers und Jeans will er die Welt ein bisschen besser machen.

"Wir halten das nicht für den richtigen Weg. Für uns ist das eine reine Werbemaßnahme und ein starkes Greenwashen von problematischen Kunststoffprodukten", sagt Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe. Resch sieht die Verwendung bestimmter Kunststoffe in der Textilproduktion kritisch, denn beim Waschen lösen sich Kunststofffasern aus der Kleidung und gelangen so wieder in die Gewässer. "Es gibt seit Jahren eine Diskussion darüber, dass solches Mikroplastik viel schlimmer für die Meere und Seen ist, als es größere Plastikteile sind", sagt Resch. "Sie können viel leichter in die Nahrungskette aufgenommen werden." Natürliche Fasern wie Baumwolle ließen sich hingegen häufiger recyceln und stellten in Gewässern keine Belastung für die Umwelt dar. Doch auch Baumwolle ist ökologisch problematisch, weil sie beim Anbau sehr viel Wasser verbraucht. Forscher suchen daher schon seit Jahren nach alternativen Materialien für Textilien, zum Beispiel aus Milchprotein.