Das Ergebnis des ersten Artenschutzberichts des Bundesamts für Naturschutz (BfN) ist eindeutig: Um Deutschlands Natur ist es schlecht bestellt. Von den rund 72.000 bekannten Tier-, Pflanzen- und Pilzarten hierzulande sei rund ein Drittel in ihrem Bestand bedroht. Dem nicht genug: Das nationale Ziel, den Verlust aufzuhalten, habe man "bisher verfehlt". Die bisherigen Maßnahmen reichen nicht aus, um die Arten vor dem Aussterben zu bewahren.

Wie es um die Wiesen, Wälder und Flüsse Deutschlands sowie deren Bewohner bestellt ist, wird unterschiedlich dokumentiert. Die Roten Listen untersuchen seit Jahren fortlaufend mehr als 32.000 heimische Tiere, Pflanzen und Pilze hinsichtlich ihrer Gefährdung. Darüber hinaus geben verschiedene, nationale Berichte und Monitoringprogramme über einzelne Tierarten Auskunft über den Zustand von Fauna und Flora. Der Artenschutzreport des BfN hat die vorliegenden Daten nun erstmals zusammengefasst.

Die Zahlen sind ernüchternd:

  • Knapp ein Drittel aller in Deutschland vorkommenden Arten ist laut Roter Liste in ihrem Bestand gefährdet, acht Prozent kommen nur noch extrem selten vor und sechs Prozent sind bereits ausgestorben oder verschollen.
  • Insgesamt 11.000 Tierarten wurden untersucht. Fast 28 Prozent der Wirbeltiere, die Süßwasserfische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere umfassen, sind aktuell bestandsgefährdet.
  • Zu den bislang am stärksten gefährdeten Tiergruppen gehören Reptilien wie die Östliche Smaragdeidechse und bestimmte Fliegenarten.
  • Von den verzeichneten Wirbellosen – inklusive Insekten – gelten 45,8 Prozent als bestandsgefährdet, extrem selten oder bereits ausgestorben.
  • Während der vergangenen 12 Jahre haben 34 Prozent der Brutvogelarten in ihrem Bestand stark abgenommen.
  • Fast ein Viertel der Zugvogelarten ist bestandsgefährdet und steht auf der Roten Liste.

Sterben die Tiere und Pflanzen hierzulande aus, sind sie womöglich für immer von der Erde verschwunden. In manchen Fällen kommen nach jetzigem Wissen große Teile oder gar die gesamte Weltpopulation einer Art in Deutschland vor. Dazu zählen etwa Gelbbauchunken oder Plumpschrecken.

Zu der Misere beigetragen haben laut Bericht viele Faktoren. An vorderster Stelle stehe die intensive Landwirtschaft, heißt es. Aber auch die Forstwirtschaft, Wasserbau und Gewässerunterhaltung, Fischerei, Schadstoffeinträge, Baumaßnahmen sowie Sport und Freizeitaktivitäten gefährdeten Flora und Fauna. Kurz: der Mensch.

Erfolgreicher Artenschutz in acht Schritten


Was also tun? Das Bundesamt hat einen umfassenden Acht-Punkte-Aktionsplan entwickelt: Die Autoren fordern zunächst, bisherige Artenschutzprogramme auszubauen. Zudem sei "ein gut vernetztes System von Schutzgebieten wesentlich", um den Arten ausreichend Rückzugsmöglichkeiten zu geben. Dazu gehöre auch, die Bestände in der Agrarlandschaft besser zu achten und nutzungsfreie Wälder zu erhalten. Letztere sollen beispielsweise künftig fünf Prozent der Waldfläche einnehmen. Weiter sollen Flüsse wieder durchgängig gestaltet und mit ihren Auen verbunden werden. Nachhaltige Fischerei sei ebenfalls notwendig. Zu guter Letzt gelte es, "bessere Datengrundlagen über die Gefährdungssituation zu schaffen, fortzuführen und weiterzuentwickeln".

Die Forderungen lesen sich gut. Allerdings sind sie nicht neu, vieles klagen Tier- und Naturschutzverbände seit Jahren ein. Und manche Maßnahmen sind äußerst ambitioniert. Es dürfte schwierig werden, sie gemeinsam mit Landwirten, Gemeinden und Städten im Interesse aller umzusetzen.

Dass sich derlei Bemühungen jedoch lohnen, zeigen einzelne Arten. Die Flussperlmuschel etwa sei heute besser geschützt als noch vor einigen Jahren, eben weil Rückzugsräume gezielt geschaffen wurden, heißt es in dem Bericht. Die Kegelrobbe ist auch deshalb zurück in der deutschen Nordsee. Uferschnepfen, Braunkehlchen und Kornblumen haben es dank Wiesenbrüterprogrammen und Ackerrandstreifenprojekten nun besser. Durch das Verbot des Insektizids DDT bekam der Seeadler eine Chance, sich wieder dauerhaft zu vermehren. Und auch Biber, Wildkatze und Wolf hätten in Deutschland endlich wieder ein sicheres Zuhause.

Doch mit den erstarkten Tieren und Pflanzen kommt die Verantwortung. Nicht zuletzt Biber und Wolf zeigen, wie schmal der Grat zwischen dem Willen zum Schutz und dem Überdruss am Geschützten ist.