Wie hart die Trockenheit die Bauern trifft, hängt nicht zuletzt von der Beschaffenheit des Bodens ab: "Sandige Böden wie in Brandenburg oder in der niedersächsischen Heide können nicht lange das Wasser speichern. Es kommt schneller zu Trockenstress für die Pflanzen und damit zu Ertragseinbußen", sagt Lohse. In diesen Gebieten würden bis zu 30 Prozent weniger Ernteerträge erwartet. Eine endgültige Bilanz werde man aber erst in der kommenden Woche ziehen können, wenn alles Getreide eingefahren ist.

In Deutschland werden meist nur Kartoffeln, Obst und Gemüse bewässert. Angesichts des Marktpreises sei das Beregnen von Getreide meist nicht wirtschaftlich und bei der großen Anbaufläche von 6,5 Millionen Hektar auch nicht möglich, sagt Verbandssprecher Lohse.

Spezielle Getreidesorten verkraften den Trockenstress besser

Den Bauern bleibt also nur wenig Spielraum, etwas gegen die Dürre zu unternehmen. "In Gebieten mit Sommertrockenheit ist es zum Beispiel ratsam, den Boden nicht zu pflügen, damit die Erdschichten aus etwa 30 Zentimetern Tiefe nicht auch austrocknen", sagt Lohse. Auch würden einige Bauern bereits neue, speziell gezüchtete Getreidesorten anbauen, die Trockenstress besser verkraften.

Doch nicht nur auf den Feldern fehlt das Wasser. In vielen Gebieten vor allem in Bayern und in den neuen Bundesländern ist die Waldbrandgefahr derzeit extrem hoch. Die Feuerwehren in Thüringen sind dieses Jahr schon zu 14 Waldbränden ausgerückt – und damit laut Landesforstanstalt zu mehr als in den beiden vergangenen Jahren zusammen.

In den Wäldern Hessens leiden vor allem junge Bäume. Jeder dritte im Frühjahr frisch gepflanzte Baum drohe zu vertrocknen, sagte Michael Gerst, Chef des Landesbetriebs Hessen-Forst. Auch in Berlin schadet die lange Trockenheit zunehmend Bäumen und Sträuchern. "Es geht jetzt ans Eingemachte. Die obersten 60 Zentimeter des Bodens sind ausgetrocknet", sagt der Sprecher der Umweltverwaltung, Derk Ehlert. Der warme Wind trockne zusätzlich aus. Hier helfe nur "wässern, wässern, wässern."

Entlang vieler Flüsse sind die Pegelstände derzeit extrem niedrig. Viele Flüsse führen so wenig Wasser, dass Ausflugs- und Güterschiffe nicht mehr fahren können. So kletterte der Pegel der Elbe am Dienstag an der Magdeburger Strombrücke gerade einmal auf 55 Zentimeter. Zum Vergleich: Erst vor zwei Jahren, beim Hochwasser 2013 wurde an dieser Stelle ein Pegel von bis zu 7,47 Meter gemessen. Ausflugsdampfer sitzen damit so gut wie auf dem Trockenen: Für August etwa rechnet der Schifffahrtskoordinator der Weißen Flotte in Magdeburg, Ralf Kurth, mit 80 Prozent weniger Fahrgästen. Üblich seien sonst insgesamt rund 10.000 Besucher an Bord in einem Monat.

In Bayern werden manche Güterschiffe nicht mehr voll beladen, damit sie weniger Tiefgang haben. Auf der Weser wird der Pegel für die Schifffahrt derzeit noch mit Wasser aus dem hessischen Edersee konstant gehalten. Ohne Niederschläge könnten in eineinhalb Wochen auch hier viele Schiffe nicht mehr fahren, sagt Odo Sigges vom Wasser- und Schifffahrtsamt Hannoversch Münden.

Extrem trockene Sommertage werden wohl zunehmen

"Die momentane Trockenperiode ist schon ein sehr signifikantes Ereignis, aber so etwas hat es schon immer gegeben", sagt Agrarmeteorologe Busch. "Für diejenigen, die jetzt mit den Folgen zu kämpfen haben, ist es sicher sehr hart." Die ausgetrockneten Böden werden aber wohl keine bleibenden Schäden behalten. "Voraussichtlich werden sie durch die Niederschläge im Winter wieder mit Wasser aufgefüllt", sagt Busch. Für ihn und seine Forscherkollegen sei vor allem die Frage interessant, ob solche Ereignisse mit dem Klimawandel häufiger und heftiger werden.

Mit den Wetterdaten der vergangenen fünf Jahrzehnte haben Forscher vom Thünen-Institut und Experten vom Deutschen Wetterdienst erst kürzlich die möglichen Veränderungen bis zum Jahr 2098 abgebildet (Gömann et al., 2015). Das Ergebnis: Extrem trockene Sommertage sind bereits häufiger geworden und werden voraussichtlich noch weiter zunehmen. Ob auch andere Extremwetterlagen wie Hagel und Starkniederschläge künftig zunehmen, lässt sich noch nicht mit Sicherheit sagen. Etwas Regen ist derzeit in Aussicht: "Zum Wochenende hin erwarten wir deutschlandweit Niederschläge. Das wird zumindest die Waldbrandgefahr erst einmal entspannen", sagt Meteorologe Busch.