Die EU-Kommission will offenbar den Verkauf des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat weiter erlauben. Die Behörde möchte den Mitgliedsstaaten vorschlagen, die Zulassung des wahrscheinlich krebserregenden Mittels bis Juni 2016 zu verlängern. Das meldeten übereinstimmend mehrere Nachrichtenagenturen. Ende des Jahres läuft die Zulassung für Glyphosat aus. Vertreter der EU-Staaten entscheiden kommende Woche über eine mögliche Verlängerung.

Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC, die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehört, hatte Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend für den Menschen" eingestuft. Der Leiter des Untersuchungsgremiums, Kurt Staif, sagte der ZEIT: "Es gibt genügend stichhaltige Hinweise auf genotoxische Wirkungen" – also Schädigungen des Erbguts, die krebserzeugende Prozesse auslösen können. In Deutschland wird es auf 30 bis 40 Prozent der Ackerflächen verwendet.

Grund dafür, dass die Zulassung nun verlängert werden könnte, sind Verzögerungen bei der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA. Sie will sich Zeit nehmen, um den Bericht der WHO von Ende Juli zu prüfen. Erst Ende Oktober oder Anfang November will die EFSA entscheiden, ob sie eine Neuzulassung des Pflanzenschutzmittels empfiehlt. Ursprünglich sollte das schon Mitte August geschehen. Die EU-Kommission entscheidet auf Grundlage des EFSA-Gutachtens.

Umweltorganisationen kritisierten die EU-Kommission für ihre Empfehlung, die Glyphosat-Zulassung zu verlängern. "Es ist inakzeptabel, dass die EU-Kommission Europas Bevölkerung weiter einer Substanz aussetzen will, die von der WHO als 'wahrscheinlich krebserregend' eingestuft wurde", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

Glyphosat ist weltweit einer der am meisten genutzten Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln. Er wird unmittelbar vor oder nach der Aussaat eingesetzt, um Unkraut zu vernichten. Der Boden kann so ohne Pflug und somit schonender bestellt werden. Bauern müssen weniger spritzen und pflügen. Das spart Arbeit, Sprit und Kosten. Sollte das Mittel keine weitere Zulassung erhalten, könnten Ernten um fünf bis zehn Prozent geringer ausfallen, prognostizieren Forscher der Uni Gießen. Göttinger Wissenschaftler schätzen aber, dass sich solche Ausfälle etwa durch häufigeres Pflügen kompensieren lassen würden.