Flaschendeckel, Plastiksplitter, Feuerzeuge – dort wo einst der Verdauungstrakt des Seevogels war, schimmert jetzt ein Haufen bunter Kunststoffreste. Die Bilder der toten Tiere mit plastikverstopften Mägen gehen ständig um die Welt und verdeutlichen, was unser Müll mit den Tieren in den Ozeanen macht.

Wie sehr die Umweltverschmutzung die Tiere belastet, haben Wissenschaftler nun untersucht. Ihre Ergebnisse haben sie in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (Wilcox et. al., 2015) veröffentlicht. Nach den Prognosen der Forscher werden bis 2050 etwa 99 Prozent aller Seevögel-Arten Kunststoffpartikel über die Nahrung aufgenommen haben. In ihre Auswertung bezogen die Studienautoren Analysen ein, die zwischen 1962 und 2012 veröffentlicht wurden. Darin wurden insgesamt 186 Vogelarten untersucht.

Demnach haben schon heute mehr als zwei Drittel aller Seevögel Kunststoff gefressen. "Das ist eine riesige Menge und weist auf die Allgegenwart der Plastikverschmutzung hin", sagte Chris Wilcox von der australischen Commonwealth Scientific and Industrial Research Organization (CSIRO). In den frühen 1960er Jahren seien noch weniger als fünf Prozent aller Seevogelarten betroffen gewesen. In den folgenden 50 Jahren ist die Zahl auf 80 Prozent gestiegen. Die Wissenschaftler vermuten, dass dies zum Rückgang vieler Vogelarten beigetragen haben könnte. Besonders stark belastet ist der Südliche Ozean unterhalb von Australien.

Um die Verschmutzung aufzuhalten, muss die Welt drastisch den Plastikmüll in den Ozeanen reduzieren. Nur eine wirksame "Müllvermeidungsstrategie" könne verhindern, dass bis 2050 fast alle Seevögel in Mitleidenschaft gezogen seien, sagen die Forscher. Internationale Abkommen sind jedoch schwer vereinbar, sagen Experten. Gerade die sich immer schneller entwickelnden Länder kommen mit der Entwicklung von Müllentsorgungsanlagen kaum hinterher. Die EU hat mittlerweile Initiativen auf den Weg gebracht, um etwa den Verbrauch von Plastiktüten einzuschränken, die nur einmal genutzt werden.

Seit dem Beginn der kommerziellen Produktion von Plastik in den 1950er Jahren hat die Produktionsmenge sich alle elf Jahre verdoppelt. In den Ozeanen wird inzwischen eine Konzentration von 580.000 Plastikteilen pro Quadratkilometer gemessen. Zumeist handelt es sich dabei um kleine Teile, die Vögel und andere Tiere leicht mit der Nahrung aufnehmen können.

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