Brände, Abholzungen, Stürme und Schädlinge – der Wald schrumpft weltweit unaufhaltsam. Jährlich gehen Tausende Quadratkilometer verloren. Seit wir Menschen die Erde besiedeln, sterben die Bäume besonders schnell. Fast auf die Hälfte seines ursprünglichen Bestandes haben wir den Wald schon ausgedünnt.

Ganz so schlecht wie frühere Prognosen bisher darstellten, geht es dem globalen Baumbestand jedoch nicht. Forscher der Universität Yale haben jetzt hochgerechnet, dass noch mehr als drei Billionen Bäume in den Wäldern stehen (Crowther et al., 2015). Das sind achtmal mehr als in früheren Untersuchungen angenommen. Damit kommen auf jeden Menschen ungefähr 422 Bäume.

Für ihre in Nature veröffentlichte Erhebung kombinierten die Wissenschaftler verschiedene Methoden, um die Baumdichte für fast jeden Quadratkilometer aller Kontinente zu errechnen. Mithilfe von Satellitenbildern, anderen Studien sowie Computersimulationen erstellten sie ihr Modell. Außerdem zogen sie Daten aus Waldinventuren hinzu. Auf solchen Begehungen ermitteln Forscher für bestimmte Flächen zum Beispiel die verschiedenen Baumarten oder das Alter der Pflanzen.

Am dichtesten wachsen die Bäume demnach etwa in einzelnen borealen Nadelwaldregionen Russlands, Skandinaviens und Nordamerikas. In diesen kalten, eher trockenen Gebieten überleben jedoch nur widerstandsfähige Pflanzen, wie Koniferen. Die größten Wälder stehen in den Tropen. Dort wachsen rund 43 Prozent aller Bäume weltweit.

Zusätzlich zum Bestand schätzten die Forscher außerdem ab, wie äußere Bedingungen die Zahl der Bäume beeinflussen. Das Klima spielt eine entscheidende Rolle. In feuchten Gebieten gedeihen die Wälder selbstverständlich viel besser als in trockenen. Das hat auch der Mensch realisiert: Schon früh siedelte er in feuchteren Gebieten, um dort Landwirtschaft zu betreiben. Abholzungen waren die Folge.

15 Milliarden Bäume fällt der Mensch jährlich, um die Fläche für andere Zwecke zu nutzen. Auch das zeigen die Wissenschaftler in ihrer Untersuchung. Eine alarmierende Zahl, auch wenn noch mehr Bäume übrig sind als bislang angenommen. Die Wälder müssen weiterhin geschützt werden. Denn die Folgen des Waldsterbens spüren wir schon heute.

Weniger Bäume bedeuten auch mehr Schadstoffe in der Umwelt. Über ihre Wurzeln filtern Pflanzen giftige Substanzen aus dem Boden. Auch speichern karge werdende Waldflächen weniger Kohlendioxid, womit auch die Luftqualität sinkt. Wo viele Bäume fallen, treten häufiger Dürren auf. Nicht zuletzt sind Wälder Heimat zahlreicher Tier- und Pflanzenarten.