Er ist das erste genetisch veränderte Tier, das die US-Lebensmittelaufsicht (FDA) für den Verzehr und Verkauf freigegeben hat: Lachs, der dank der Eingriffe in sein Erbgut schneller wächst und weniger Futter braucht. Seit diesem Donnerstag darf er in den USA verkauft werden – auch ohne spezielle Kennzeichnung der Verpackungen.

Der Entscheidung der FDA ging eine mehrjährige Prüfung voraus. Bereits 1996 hatte das kanadische Unternehmen AquaBounty Technologies die FDA um Zulassung ihres Produkts für den Verzehr gebeten. Damals zögerten die Lebensmittelkontrolleure noch und verwiesen auf die vielen Pro- und Gegenargumente, die man sorgfältig abwägen müsse. 2010 dann entschied die Behörde, dass der modifizierte Lachs für den Verzehr gesundheitlich genauso unbedenklich sei wie konventioneller Lachs.

Zahlreiche Verbraucher- und Umweltorganisationen kritisierten die Entscheidung und kündigten an, dagegen vorzugehen. Ihre Einwände zielen dabei zum einen auf gesundheitliche Risiken: So seien die langfristigen Effekte von gentechnisch veränderten Lebensmitteln noch nicht ausreichend erforscht; zum anderen befürchten die Kritiker ökologische Folgen. Genetisch veränderte Lachse könnten lokale Fischpopulationen gefährden, etwa indem sie aus Zuchtfarmen entweichen und die in den freien Gewässern lebenden weniger großen Artgenossen verdrängen.

Experten der FDA widersprechen: Der Fisch habe keine signifikanten Auswirkungen auf die Umwelt. Dennoch bleibt die Aufzucht der Lachse in den USA weiterhin verboten. Erlaubt ist dies nur in speziellen Fischfarmen mit abgeschlossenen Tanks ohne Verbindung zu offenen Gewässern. Derzeit, teilte die FDA mit, gebe es weder in den USA noch in anderen Ländern Anlagen, die nach diesen Standards zertifiziert sind – mit Ausnahme von zwei in Kanada und Panama. Von dort werden Lachsprodukte in die USA exportiert.

Die Firma AquaBounty Technologies nennt ihren genetisch veränderten Zuchtfisch AquAdvantage-Lachs. Ihn macht einzigartig, dass er genetisches Material von zwei anderen Fischen in seinem Erbgut trägt. Zum einen Informationen für die Produktion eines Wachstumshormons vom Königslachs und ein Schellfisch-Gen. Letzteres hilft dabei, dass der AquAdvantage-Lachs tatsächlich genügend Hormone produziert, um doppelt so rasch zu wachsen als seine natürlich vorkommenden Artgenossen. Normalerweise schütten Lachse nur zu bestimmten Zeiten das Wachstumshormon aus. Der AquAdvantage-Lachs hingegen kontinuierlich.

Ob und wann der transgene Fisch aber tatsächlich in Läden und Restaurants kommt, war zunächst nicht klar. Mehrere US-Handelsketten hatten bereits angekündigt, keine derartigen Produkte verkaufen zu wollen, auch weil eine ausdrückliche Kennzeichnung in den USA weiterhin nicht verpflichtend ist. Die FDA selbst arbeitet an Empfehlungen, wie Waren künftig ausgezeichnet werden könnten, die genetisch veränderte Organismen enthalten, die zum Verzehr freigegeben sind. Für den europäischen Markt gibt es keine Zulassung.