Die Dürreperiode in Brasilien im Jahr 2014 hat den Boden in Braganca Paulista nahe Sao Paulo ausgetrocknet. © Nacho Doce/Reuters

Die Welt ist schon jetzt eine andere. Langsam, aber sicher zeigt sich, wie der Mensch das Klima verändert. Die Kontinente heizen sich auf, die Ozeane erwärmen sich, und immer mehr Gletscher ziehen sich zurück. Die Prognosen aus dem vergangenen Jahrhundert sind wahr geworden – deshalb verhandeln die Regierungen jetzt in Paris über einen neuen Klimavertrag. Sie wollen die Emissionen endlich verringern, damit der Klimawandel beherrschbar bleibt.

Wer noch immer an der Erderwärmung zweifelt, sollte den aktuellen Bericht des Weltklimarats IPCC von 2013 zu den physikalischen Fakten lesen. Dort wird der Wandel eindrücklich dargestellt und mit zahlreichen Belegen untermauert. Klimamodelle zeigen deutlich, in welch irrwitziger Geschwindigkeit sich die Welt bis zum Jahr 2100 wohl noch wandeln wird.

Global sind diese Klimasimulationen über längere Zeiträume robust. Schwieriger wird die Prognose, je weiter man auf die Erde reinzoomt. Für große Landflächen können Klimatologen noch einigermaßen verlässliche Aussagen treffen. Problematischer wird es für kleinere Regionen sowie mit exakten Jahreszeitenprognosen über das Klima der Zukunft. Bis heute ist noch immer zu wenig über die natürlichen Schwankungen des Klimasystems bekannt.

Was bisher geschah

Was sicher ist: Von 1880 bis 2012 hat sich die Atmosphäre um durchschnittlich 0,85 Grad erwärmt. Damit ist es seit Beginn des Industriezeitalters um ein Grad wärmer auf der Erde geworden. Das klingt nach wenig, ist aber ziemlich viel, wie allein schon die Klimageschichte zeigt: Wer heute dreißig Jahre alt ist, lebt wahrscheinlich in der wärmsten Periode seit 1.400 Jahren. Zudem ist die Geschwindigkeit der Erwärmung einmalig. Während es nach Ende der letzten Eiszeit rund tausend Jahre dauerte, ehe sich die Luft um ein Grad erwärmte, vollzog sich die aktuelle Erwärmung in etwa hundert Jahren.

Was geschehen wird: weltweit wird es noch wärmer

Das Jahr 2014 hat weltweit die höchste Temperatur seit Aufzeichnungsbeginn erreicht. Und das aktuelle Jahr 2015 wird diesen Rekord global betrachtet sehr wahrscheinlich noch deutlich übertreffen. Deutschland allerdings wird sehr wahrscheinlich keinen Temperaturrekord aufstellen.

Laden …
Laden …
Laden …
Decorative background image
Ban Ki Moon UN-Generalsekretär

Ban Ki Moon UN-Generalsekretär

"Der Klimawandel ist eine Bedrohung für das Leben und unsere Existenz."

Laden …

Leider nein: Viele Schäden sind nicht mehr zu ändern. Die Erde erwärmt sich in jedem Fall. Es lässt sich allein das Ausmaß der Katastrophe eingrenzen.

Laden …

Das stimmt. Allerdings soll Europa nicht so stark betroffen sein wie andere Kontinente der Erde.

Laden …
Laden …

Die Ozeane heizen sich stark auf

Die meiste Energie im Klimasystem haben allerdings die Ozeane geschluckt. Etwa neunzig Prozent der Wärme haben seit den siebziger Jahren die Weltmeere aufgenommen. Davon mehr als sechzig Prozent bis in eine Tiefe von 700 Metern unterhalb der Wasseroberfläche und dreißig Prozent in den Regionen darunter. Die oberen 75 Meter erwärmen sich derzeit um 0,11 Grad pro Jahrzehnt. Zudem sind die Weltmeere saurer geworden. Wegen der thermischen Ausbreitung des Wassers und der Schmelzwasser hat sich der Meeresspiegel seit Beginn des 20. Jahrhunderts um durchschnittlich zwanzig Zentimeter erhöht. Seit Ende der neunziger Jahre steigt der Meeresspiegel sogar um durchschnittlich 3,2 Zentimeter pro Jahrzehnt. Während der letzten Warmzeit, dem Eem, lag der Meeresspiegel allerdings noch fünf Meter höher, weil der grönländische Eisschild sehr stark abgeschmolzen war. Das Eem liegt allerdings auch rund 120.000 Jahre zurück.

Derzeit geht man im Mittel von etwa sechzig Zentimeter Erhöhung bis Ende des Jahrhunderts aus. Je nach Szenario erhöht er sich um 26 bis 96 Zentimeter. Düstere Prognosen sprechen von deutlich mehr als einem Meter Anstieg. Vor einem vollständigen Verlust des grönländischen Eisschildes sollte man sich fürchten: Allein das Abschmelzen dieses 3.000 Meter dicken Eispanzers würde den Meeresspiegel um schätzungsweise sieben Meter ansteigen lassen. Küstengebiete weltweit würden untergehen.

Schifffahrt - Klimawandel macht kanadische Arktis für Schiffe frei

Das Verhalten der großen Eisschilde Grönlands und der Antarktis sind der Grund, weshalb Prognosen über den Anstieg des Meeresspiegels so schwierig sind. Sie tauen nicht gleichmäßig vor sich hin, sondern erreichen irgendwann einen sogenannten Kipppunkt, an dem der Verfall nicht mehr aufzuhalten ist. Eine Studie in Nature Climate Change kam vor dreieinhalb Jahren zu dem Ergebnis, dass dieser Kipppunkt bereits bei einer Erwärmung von 1,6 Grad eintrete (Collins et al., 2012).