Rauch und brennende Bäume – viel mehr ist von Borneo aus der Luft derzeit nicht zu sehen. Wo die Flammen gewütet haben, stehen die Anwohner der Insel verkohlter Ödnis gegenüber. Schon wieder. Seit Jahren brennen in Südostasien während der Trockenzeit weite Flächen des Regenwaldes ab, riesige Smogwolken ziehen Hunderte von Kilometer weit. So dramatisch wie in diesem Jahr war die Situation jedoch noch nie. Rund 10.000 einzelne Feuer wurden gezählt.

Schuld am Ausmaß der Katastrophe ist nicht allein das Wetterphänomen El Niño, das die Region in den vergangenen Monaten besonders stark austrocknet hat. Schuld ist vor allem der verantwortungslose Umgang mit der Natur, um an billige Rohstoffe zu kommen: Nach dem derzeitigen Informationsstand sind mindestens zehn Prozent der Brände auf Rodungen für Palmölplantagen zurückzuführen.

Schon seit Jahren werden für die Herstellung von Palmöl riesige Regenwaldgebiete in Indonesien zerstört, zum Teil kontrolliert, vor allem aber illegal. Die Anwohner roden Hunderte Hektar Wald, um rasch und günstig Platz für noch mehr Ölpalmen zu schaffen. Die Flammen bereiten sich jedoch unkontrolliert aus.

Grundsätzlich ist an Palmöl kaum etwas auszusetzen

EU-Verordnungen und Siegel sollen nun richten, was Anbauverboten und Gesetzen der Regierung vor Ort nicht gelingt: den Bestand der Wälder und damit die Lebensgrundlage der Indonesier schützen. Ihr Nutzen aber ist ebenfalls fraglich. Derweil versuchen Forscher, Alternativen zum Palmöl zu entwickeln. Das jedoch bleibt eine hartnäckige Konkurrenz.

Allein zwischen 2009 und 2011 war die Palmölbranche für ein Viertel der Waldverluste verantwortlich. Das trifft nicht nur die lokale Bevölkerung und die dort lebenden Tiere wie Orang-Utans, Sumatra-Tiger und Borneo-Zwergelefanten, sondern die globale Umwelt. Regenwälder auf Torfmoorböden sind gigantische Kohlenstoffspeicher. Sie enthalten bis zu fünfzig Mal mehr Kohlenstoff als eine ebenso große Fläche anderen Regenwaldes. Trockenlegungen und Brände setzen tonnenweise Treibhausgase frei – so viel, dass sie das Klima beeinflussen.

Denn ganz grundsätzlich ist an Palmöl zunächst kaum etwas auszusetzen: Es hat bei Zimmertemperatur eine hervorragende Konsistenz und ist damit vielseitig einsetzbar. Es findet sich in verschiedenen Produkten, von Lebensmitteln bis Kerzen. Zudem sind die Palmen, aus denen es gewonnen wird, einfach anzubauen, und liefern einen hohen Ertrag auf geringer Fläche, gemessen an anderen Pflanzen wie Raps. Das macht Palmöl mit 700 bis 1200 US-Dollar pro Tonne günstiger als Öle wie Rapsöl. Eben diese Werte aber haben die Menschen verführt.

Da kann kein anderes Öl mithalten

60 Millionen Tonnen Palmöl werden weltweit produziert, angebaut auf 17 Millionen Hektar – damit ist es das begehrteste Pflanzenöl der Welt. Die Mehrheit stammt von Plantagen in Malaysia und Indonesien. Die Anbauflächen dort haben sich seit 1990 verzehnfacht. Tendenz steigend. Laut WWF plant allein Indonesien, die Plantagen bis 2025 auf 20 Millionen Hektar auszudehnen – die Hälfte davon soll auf Borneo Platz finden. Denn der weltweite Bedarf ist ungebrochen. Indien und China sind die Hauptmärkte, gefolgt von der EU.

Schon heute steckt Palmöl in etwa jedem zweiten Produkt, das hierzulande im Supermarkt zu kaufen ist. Das zumindest geht aus Daten von Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace oder dem WWF hervor. Weit mehr als andere Öle hat es in den vergangenen Jahren an Beliebtheit gewonnen.

Im Dezember vergangenen Jahres trat deshalb eine EU-Verordnung in Kraft. Palmöl muss seitdem namentlich aufgeführt werden, was Verbrauchern ermöglichen soll, sich bewusst gegen solche Produkte zu entscheiden. Des Weiteren gibt es ein Siegel, das Produkte aus nachhaltigem Anbau auszeichnen soll. Es fußt auf dem Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO), ins Leben gerufen vom WWF vor rund zehn Jahren. Um die RSPO-Kennzeichnung zu bekommen, dürfen Bauern die Pflanzen beispielsweise nicht auf kürzlich gerodeten Böden anbauen, kaum Pestizide nutzen, müssen die Landrechte der Ureinwohner achten sowie bedrohte Tiere schützen.