Aus Versuchslaboren befreite Schimpansen in Liberia. © Zoom Dosso/AFP/Getty Images

Die USA streben das Ende von Tierversuchen an Menschenaffen an. Daher haben die staatlichen Gesundheitsinstitute (NIH) ihr eigenes Schimpansen-Programm jetzt gestoppt. 50 institutseigene Tiere sollen in Tierheime oder Schutzstationen gebracht werden. Auch für Hunderte Schimpansen aus anderen Laboren, deren Arbeit die NIH bisher mitfinanzierten, soll eine Bleibe gefunden werden.

So stellen die staatlichen Institute die Förderung externer Arbeitsgruppen ebenfalls ein, sollten diese an den Menschenaffen experimentieren. Das berichtet das Magazin Nature News unter Berufung auf eine E-Mail des NIH-Direktors und Genetikers Francis Collins. "Ich denke, das ist der natürliche nächste Schritt eines wohlüberlegten fünfjährigen Prozesses, in dem die Vor- und Nachteile der Forschung an diesen sehr speziellen Tieren abgewogen wurden," sagte Collins. Man sei an einem Punkt angekommen, an dem die Notwendigkeit gen null gesunken sei, Experimente an Schimpansen durchzuführen.

Als Erstes sollen 20 Schimpansen des Primatenforschungszentrums in Texas nach Chimp Haven gebracht werden, eine Aufnahmestation im US-Staat Louisiana. Folgen sollen 139 Tiere aus einem Institut für Krebsforschung, ebenfalls in Texas. Weitere Forschungstiere kann Chimp Haven allerdings nicht aufnehmen, es fehlt der Platz. Noch ist unklar, wo die restlichen Schimpansen leben sollen.

Laboraffen unter Artenschutz

Schon 2013 hatten die US-Gesundheitsinstitute 310 Schimpansen in Rente geschickt. Die 50 Tiere, von denen jetzt die Rede ist, wurden zur Reserve gehalten, falls sie dringend für Forschungszwecke benötigt würden – etwa im Falle eines Seuchenausbruchs, um rasch Impfstoffe erproben zu können.

Schon im Sommer hatte die US-Naturschutzbehörde Fish and Wildlife Service den offiziellen Schutzstatus für Schimpansen ausgeweitet. Sie klassifiziert seitdem auch Schimpansen in Gefangenschaft – also in Laboren, Zoos und Tierparks – als gefährdete Art.

Für Forschungszwecke können die Tiere seither nur noch unter sehr strengen Auflagen eingesetzt werden. Ein spezielles Gremium prüft, welche Arbeitsgruppen weiter an Schimpansen forschen dürfen. Experimente zur Erforschung der Affen selbst werden zum Beispiel nur genehmigt, wenn sie einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Art leisten. Weltweit sinkt der Bestand an Schimpansen vor allem, weil deren Lebensräume zerstört werden.

Kritiker halten Affenversuche für unverzichtbar

Nicht alle Forscher sind glücklich über die Entscheidung, Versuche an Menschenaffen zu unterbinden. "Bedenkt man, dass die Hauptaufgabe der NIH der Schutz der Volksgesundheit ist, überrascht das", kommentierte Francine Trull die Entscheidung. Sie ist Präsidentin der US-Gesellschaft für Biomedizinische Forschung NABR und der Stiftung Foundation for Biomedical Research, die sich gezielt für Tierversuche in den USA stark macht. Sie verstehe die Logik nicht, erst Reserve-Tiere zu behalten und sich jetzt doch endgültig davon zu verabschieden, im Notfall noch Experimente machen zu können.

Stephen Ross, Mitglied des NIH-Gremiums zu Schimpansen-Versuchen und Verhaltensforscher am Lincoln Park Zoo in Chicago, sagte hingegen, die NIH habe sich dies immer vorbehalten, falls die Reservetiere nicht genutzt würden. Nun ist klar, "dass Schimpansen in der Welt der Biomedizin-Forschung nicht mehr gebraucht werden", sagte der Verhaltensforscher.

Tierrechtler begrüßen das Ende der staatlichen Forschung an Schimpansen. "Ethisch, wissenschaftlich und rechtlich sind Experimente an Schimpansen nicht zu rechtfertigen", sagte Justin Goodman, Direktor der Organisation Peta gegenüber Nature News. "Wir sind glücklich, dass die NIH ihr Versprechen einhalten, dieses dunkle Erbe zu beenden."

Insgesamt lebten in den USA noch rund 700 Menschenaffen zu Versuchszwecken in Laboren. Die Aktion der NIH betrifft zunächst nur staatliche und staatlich geförderte Schimpansen-Forschungsprogramme. Private Institute dürfen ihre Affenexperimente allerdings schon länger nur fortführen, wenn sie die geltenden Auflagen erfüllen.