Der australische Lake Cootharaba, am Südzipfel der Nationalparks, der in das Great Barrier Reef übergeht © David Gray/Reuters

Australien hat den umstrittenen Ausbau des Kohlehafens Abbot Point am Great Barrier Reef gebilligt. Es sollen zusätzlich 1,1 Millionen Kubikmeter Meeresboden in der Nähe der geschützten Korallenriffe abgebaggert und an Land deponiert werden.

Der australische Umweltminister Greg Hunt genehmigte dem indischen Unternehmen Adani den Eingriff, nachdem es in den Plänen die Menge des abzutragenden Schlamms um 97 Prozent reduziert hatte. Vor einem Beginn der Arbeiten ist aber noch die Genehmigung der Regierung des Bundesstaates Queensland erforderlich. Die Regierung erwartet dazu noch eine letzte Zusicherung von Adani. Insgesamt hatte die Regierung dem Konzern 30 Auflagen erteilt. "Der gesamte Aushub wird an Land in existierenden Industrieanlagen deponiert", sagte eine Ministeriumssprecherin. Sie verwies darauf, dass der Hafen 20 Kilometer von dem weltberühmten Korallenriff entfernt liegt. Das Projekt werde die Riffe nicht beschädigen.

Adani baut in Queensland eine der größten Kohleminen der Welt. Um den Brennstoff zu verschiffen, soll der Hafen ausgebaut werden. Ursprünglichen Plänen zufolge sollten dafür drei Millionen Kubikmeter Schlamm ausgehoben und in der Nähe des Great Barrier Reef versenkt werden.

Das Riff ist seit 1981 offizielles Weltnaturerbe der Unesco. Es war in diesem Jahr noch nicht auf die Rote Liste des gefährdeten Weltnaturerbes gekommen. Allerdings forderte das Welterbekomitee die australische Regierung auf, bis Dezember 2016 Fortschritte beim Schutz nachzuweisen. Das ist bisher offenbar nicht gelungen: Steven Miles, der Umweltminister des Bundesstaates Queensland, hatte im September gesagt, es sei besonders bedenklich, dass es bislang kaum die von der Unesco geforderten Fortschritte beim Schutz des weltgrößten Korallenriffs gegeben habe.

Umweltschützer fürchten auch nach der Reduzierung der Baupläne Schäden durch im Meer umhertreibenden Schlamm, der sich als Sedimente auf den Korallen absetzen könnte. Das Riff ist bereits belastet: Dünger, Pestizide und Abfälle aus der Landwirtschaft gefährden das Ökosystem. Hinzu kommt der Klimawandel: Die ansteigenden Meerestemperaturen zerstören die Korallen. In dem Meeresgebiet um den Hafen leben Delfine und Seekühe, Meeresschildkröten und Riesenmantas, die durch den Bau und den Betrieb des vergrößerten Hafens gestört würden. Auf ihren Wanderwegen durch die Ozeane kreuzen auch Buckelwale die Region.

Greenpeace kritisierte die Entscheidung der australischen Regierung scharf: Sie sei nicht nur unverantwortlich hinsichtlich des Riffs, sondern auch unlogisch und unnötig, sagte Greenpeace-Aktivist Shani Tager.

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Der Ausbau des Abbot-Point-Hafens soll den Kohleexport von dort aus nach offiziellen Angaben von 50 Millionen Tonnen jährlich auf 120 Millionen Tonnen steigern. Während andere Industrieländer die Kohleförderung aus Gründen des Klimaschutzes reduzieren, wird sie in Australien ausgebaut. Nach Angaben der Regierung steigen die Exporte in diesem Jahr auf insgesamt 200 Millionen Tonnen. Das ist doppelt so viel wie Russland exportiert.

Befürworter der australischen Kohleindustrie vertreten die Ansicht, dass eine Reduzierung des Kohleabbaus nur dazu führen würde, dass sich die Importländer wie Indien anderen Exporteuren wie Indonesien und Südafrika zuwenden würden. Dem Klima wäre damit nicht gedient und Australien würde ein Geschäft verlieren, lautet ihr Argument.