Während die Regierungschefs auf den Klimagipfeln der vergangenen Jahre über immer neue Klimaverträge und Temperaturziele debattiert haben, hat sich Deutschland langsam aber stetig erwärmt. Zuletzt gab es jährlich einen Hitzerekord – und auch dieses Jahr wird die vorherigen wohl wieder übertreffen. Darauf deuteten zuletzt die Werte aus November hin: Mit einer Durchschnittstemperatur von 7,5 Grad Celsius war er der wärmste November seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Dieser November war der wärmste seit 1881

Der warme November ist eines von vielen Extremen: Da wären Rekordsommer, Hitzewellen und immer wieder extrem kalte Winter. Doch sagen solche Temperatur-Ausreißer wirklich etwas über die globale Erwärmung aus? "Ein einzelnes Ereignis kann man nur schwer dem Klimawandel zuschreiben", sagt Katja Frieler. Sie erforscht die Folgen des Klimawandels am Potsdamer Institut für Klimaforschung (PIK). Betrachte man Temperaturen oder Extremereignisse aber über mehrere Jahrzehnte hinweg, ändere sich das: "Dann lassen sich Trends erkennen."

Deutschland heizt sich auf

Die rote Linie zeigt: Die Jahresdurchschnittstemperaturen hierzulande sind im Mittel um 1,37 Grad Celsius angestiegen. Das sieht zwar harmlos aus, für die Umwelt ist es das aber nicht. Ein Index der Organisation Germanwatch stuft Deutschland sogar als den Industriestaat ein, der am stärksten vom Klimawandel betroffen ist. Verglichen wurden die Folgen von Überflutungen, schweren Stürmen und Hitzewellen.

Seit 1990 jagt ein Hitzerekord den nächsten

Wärmste und kälteste Monate seit 1881. Die Mehrzahl der Wärmerekorde wurde in den letzten 15 Jahren gesetzt, Kälterekorde gab es seit 75 Jahren nicht mehr.

"Was wir derzeit in Deutschland sehen, ist ein langfristiger Anstieg der Temperaturen, das heißt ein gehäuftes Auftreten wärmerer Jahre", sagt Frieler. So zeigt eine genauere Betrachtung, dass im Laufe der vergangenen 130 Jahre jeder Monat insgesamt wärmer geworden ist. Dabei fällt auf: Neun der zwölf wärmsten Monate seit 1881 fallen in den Zeitraum von 2001 bis 2015. Die kältesten Monate liegen dagegen alle vor 1941.

Weil Wissenschaftler von der globalen Erwärmung wissen, sind sie sicher, dass auch die Erwärmung in Deutschland mit dem weltweiten Klimawandel zusammenhängt. "Es ist sicherlich kein Zufall, dass 2014 in Deutschland das bisher wärmste Jahr seit 1881 war", sagt der Meteorologe Florian Imbery, der für den Deutschen Wetterdienst das Klima überwacht.

Temperaturkurven Deutschland 1881–2015

Sagt Deutschlands Fieber etwas über die globale Erderwärmung aus?

Was Forscher hier beobachten, lässt keine direkten Rückschlüsse auf die weltweiten Entwicklungen zu. Um den globalen Klimawandel zu erfassen, haben sie die Langzeitdaten aus nahezu Ländern der Welt ausgewertet. Sie zeigen, dass sich die Erde von 1880 bis heute im Mittel um knapp 0,85 Grad Celsius erwärmt hat. Das heißeste Jahr war demnach das vergangene. Und 2015 soll aktuellen Prognosen zufolge noch wärmer werden.

Die Grafik der jährlichen Temperaturverläufe wurde von der interaktiven Grafik "How Belgium is heating up" von Martin Lambrechts inspiriert.

Aktualisierung am 5.1.2016: Der Dezember 2016 war der wärmste Dezember seit Beginn der regelmäßigen Temperaturmessung 1881; damit fallen neun der zwölf wärmsten Monate in den Zeitraum nach 2001.