Der Gau von Fukushima und die Rolle der Betreiberfirma des havarierten Kraftwerks, Tepco, werden fast fünf Jahre nach der Katastrophe doch noch von einem Gericht verhandelt. Eine vom Gericht bestellte Anwaltskommission erhob wegen Verstoßes gegen die Sorgfaltspflicht Anklage gegen den damaligen Tepco-Chef Tsunehisa Katsumata sowie die früheren Vizechefs Sakae Muto und Ichiro Takekuro, berichten japanische Medien. 

Die Verantwortlichen hätten es versäumt, eine Katastrophe wie den Tsunami vom 11. März 2011 vorherzusehen und Vorkehrungen dagegen zu treffen, heißt es in der Anklage. Das habe zum Tod von 44 älteren Patienten während der Evakuierungsphase und Verletzungen von 13 Soldaten beim Katastropheneinsatz geführt. Bereits im vergangenen Juli hatte eine Ermittlungskommission entschieden, dass die drei Exmanager vor Gericht gestellt werden sollten. Mit der formellen Anklage folgte die Anwaltskommission ihrer Empfehlung. Zuvor hatten Staatsanwälte zwei Mal entschieden, dass nicht genügend Beweise für eine Anklage vorlägen.

Nach Einschätzung von Juristen ist es schwierig, eine strafrechtliche Verantwortung der Manager für den Gau nachzuweisen. Viele von der Katastrophe betroffene Anwohner hoffen aber, dass durch einen Prozess wenigstens mehr Fakten über Tepcos Krisenmanagement ans Licht kommen werden. Das Energieversorgungsunternehmen hat eingeräumt, dass es bezüglich von Sicherheitsmaßnahmen proaktiver hätte sein können. Ein Gau wie nach den Naturkatastrophen von 2011 sei aber nicht vorhersehbar gewesen. In dem Streit über das Verhalten seiner Mitarbeiter hatte Tepco außerdem immer wieder angegeben, dass es als direkte Folge der von der Katastrophe verursachten Strahlenlecks keine Todesfälle gegeben habe.

Japan - Schwierige Rückkehr nach Fukushima

Im Atomkraftwerk Fukushima war infolge eines schweren Seebebens und eines Tsunamis am 11. März 2011 das Kühlsystem ausgefallen, woraufhin es in mehreren Reaktoren zur Kernschmelze kam. Drei der sechs Reaktoren wurden bei der Katastrophe zerstört und das umliegende Gebiet radioaktiv verseucht. Es war das schwerste Atomunglück seit dem Gau von Tschernobyl 1986. Die Aufräumarbeiten sollen noch vier Jahrzehnte dauern. Zehntausende Menschen mussten damals die verstrahlte Gegend in und um Fukushima verlassen.