Nach jahrelangen Protesten wegen Tierquälerei und der Haltung von Walen hat SeaWorld angekündigt, sein Orca-Zuchtprogramm einzustellen. In den drei amerikanischen Meeres-Freizeitparks des Unternehmens sollen künftig keine der Wale mehr gehalten werden. Die Generation von Tieren, die derzeit noch in den Parks leben, solle die letzte sein.

Immer mehr Menschen seien der Ansicht, dass Orcas nicht in menschliche Obhut gehören, teilte der Präsident von SeaWorld, Joel Manby, in einem offenen Brief in der Los Angeles Times mit. In Kalifornien und im US-Repräsentantenhaus seien demnach Gesetze vorgeschlagen worden, die die Haltung von Orcas beenden sollten. Auch die Kalifornische Küstenkommission – eine staatliche Behörde, die Schutz und Nutzung der Küstengebiete beaufsichtigt – habe im vergangenen Jahr erwogen, die Orca-Zucht in SeaWorld San Diego zu verbieten. 

1964 öffnete der erste Themenpark mit den Meeressäugern. "Wir sind stolz darauf, dass sich die Einstellung zu einem der größten Meeressäuger der Welt geändert hat", schreibt Manby. Er sieht SeaWorld als einen der Hauptverantwortlichen dafür, dass die oft als Killerwal titulierten Orcas von gefürchteten Räubern zu geliebten Meeressäugern wurden. Nun sei es an der Zeit, auf diese Veränderung zu reagieren.

Sein Unternehmen habe seit vier Jahrzehnten keine Wale mehr aus den Ozeanen gefangen. Nun ende nicht nur das Zuchtprogramm, auch die Orca-Shows sollen in ihrer jetzigen Form abgeschafft werden. "Einige Kritiker wollen, dass wir weiter gehen und die Orcas, die sich derzeit bei uns befinden, freilassen", schreibt Manby. Das sei keine Option, die meisten Tiere wurden in SeaWorld geboren, die anderen würden bereits den Großteil ihres Lebens in den Parks verbringen. "Ließe man sie frei, würden sie wahrscheinlich sterben."

Die letzten 24 Orcas, die in Aquarien in San Diego, San Antonio und Orlando schwimmen, sollen bis zu ihrem natürlichen Tod gepflegt werden. Eine größere Frage, die sich nach dieser Entscheidung nun stelle, sei laut Manby aber ob Menschen überhaupt Tiere in Gefangenschaft halten dürfen?

Darüber diskutieren Tierschützer seit Jahren: Sind Zoos wirklich nötig? Nur so können gefährdete Arten geschützt werden, sagen die einen. Da gebe es andere Möglichkeiten, kein Lebewesen gehöre eingesperrt, sagen die anderen. Eine Diskussion, die wohl andauern wird. Auch SeaWorld argumentiert oft mit dem Thema Artenschutz. So auch jetzt: In Zukunft wolle sich der Park auf Rettungsaktionen konzentrieren. Gestrandete Delfine und Seelöwen, die nicht in die Wildnis zurückkehren können, sollen ein Zuhause in den Parks finden.

Tödliche Unfälle, sinkende Besucherzahlen

Die Entscheidung der SeaWorld-Betreiber könnte das schlechte Image des Parks etwas aufbessern: Nachdem 2013 der Film Blackfish für Aufsehen sorgte, sollen Einnahmen und Besucherzahlen erheblich gesunken sein. Die Dokumentation machte darauf aufmerksam, dass es in den Parks immer wieder zu Unfällen mit in Gefangenschaft gehaltenen Orcas kam. Die Vorfälle wurden vertuscht, obwohl sie mehrmals tödlich ausgegangen sein sollen. Nach der Ausstrahlung kündigten mehrere Firmen ihre Partnerschaft mit SeaWorld, Musiker sagten Shows ab und die Aktie der Unternehmensgruppe stürzte ab.

Tierschützer werten die Entscheidung des Parks positiv. "Peta hat hart gekämpft , und jetzt zahlt sich das für die künftigen Generationen von Orcas aus", sagte beispielsweise die Präsidentin der Aktivisten-Organisation, Ingrid Newkirk. Peta protestiert seit Jahren gegen die Orcahaltung in den Vergnügungsparks. Zuletzt machte SeaWorld Schlagzeilen, weil es Mitarbeiter in die Organisation eingeschleust haben soll, um deren Arbeit zu sabotieren. 

Neben SeaWorld gibt es allerdings noch einzelne Parks in den USA, die Orcas halten, SeaWorld ist aber das größte Unternehmen. In Deutschland gibt es übrigens keine Orcas in Gefangenschaft. Auch andere Meeressäuger gibt es nicht mehr viele in Aquarien: Landesweit existieren nur noch zwei Delfinarien, eines in Duisburg und eines in Nürnberg.