Das EU-Parlament hat sich für eine kürzere Zulassungsdauer für das Pflanzenschutzmittel Glyphosat ausgesprochen. Die Mehrheit der EU-Abgeordneten stimmte in einer Resolution dafür, das Unkrautvernichtungsmittel in der Europäischen Union künftig nur noch für sieben statt wie bisher 15 Jahre zu genehmigen.

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374 Abgeordnete votierten für die beschränkte Neuzulassung, 225 dagegen und 102 enthielten sich. Das Parlament forderte die Kommission zugleich auf, eine Liste von Beistoffen zu erstellen, die in dem Unkrautvernichter nicht mehr verwendet werden dürfen. Außerdem soll sie einen Plan erarbeiten, um den Einsatz des Pflanzengifts zu reduzieren.

Glyphosat soll laut der Resolution künftig nur noch dann angewendet werden, wenn es keine anderen Möglichkeiten zur Unkrautbekämpfung gibt. Der weit verbreitete Einsatz im privaten und auch im kommunalen Bereich soll komplett verboten werden. Die Parlamentarier stellten zudem fest, dass die endgültige Entscheidung über eine Zulassung erst nach einer wirklich unabhängigen Risikobewertung und der Offenlegung aller Unterlagen getroffen werden darf. Zudem müssten Folgen für die Gesundheit sowie Tier- und Umweltschutz besser berücksichtigt werden als bisher von der EU-Kommission geplant. Der Sprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik in der Bundestagsfraktion der Grünen wertete den Entscheid als "starkes Signal gegen Glyphosat".

Die Marktzulassung für Glyphosat, den in Deutschland und weltweit am meisten eingesetzten Wirkstoff zur Unkrautvernichtung, läuft in der EU Ende Juni aus. Anders als in den meisten Verfahren auf EU-Ebene hat das Parlament in diesem Fall kein Mitbestimmungsrecht. Anfang März hatten die Mitgliedsländer und die EU-Kommission eine Entscheidung über die Wiederzulassung von Glyphosat vertagt, da keine Mehrheit für den Beschluss zustande kam. Dies soll spätestens im Mai nachgeholt werden.  

Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Allerdings kommen Forscher und Institute in dem Zusammenhang zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

Vor der Abstimmung war mit einem knappen Ausgang gerechnet worden. Dem Plenum lag ein Entschließungsentwurf vor, der sich gegen die von der EU-Kommission geplante Verlängerung der Zulassung um 15 Jahre wendet. Solange es "ernsthafte Bedenken über die krebserregenden und hormonellen Auswirkungen" des Unkrautvernichtungsmittels gebe, sollte die Marktzulassung nicht verlängert werden, heißt es darin. Unterstützt wurde diese Forderung vor allem von den linken Fraktionen und den Grünen.

Die Bundesregierung hatte sich zuvor positiv zu einer Neuzulassung des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels in der Europäischen Union geäußert. In einem Schreiben des Agrarministeriums an die zuständige EU-Generaldirektion heißt es nach Informationen der Süddeutschen Zeitung: "Mit seiner Zustimmung möchte Deutschland dazu beitragen, das Verfahren zur Wiedergenehmigung des Wirkstoffs Glyphosat (…) erfolgreich abzuschließen." Allerdings fordert die Regierung eine Überprüfung der Auswirkungen auf die Artenvielfalt sowie das Verbot bestimmter Zusatzstoffe.