Wo meterhohe Bäume in Flammen standen, ist nichts als ein Häufchen heißer Asche übrig geblieben. Seit Anfang Mai brennen in Kanadas Provinz Alberta Wälder. Meist ziehen sie durch die Wildnis, weit weg von Siedlungen. Kritisch wurde es, als das Feuer sich auf die Stadt Fort McMurray zubewegte: Rund 90.000 Anwohner mussten ihren Besitz zurücklassen – von einigen Häusern stehen bloß noch Grundmauern, wie diese Vorher-nachher-Bilder zeigen.

Fort McMurray: Verwüstungen durch Waldbrände

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Feuer in Kanada
1. Mai 2016: Beacon Hill South im Süden von Fort McMurray vor dem Waldbrand. Noch ist der Stadtteil intakt.
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6. Mai 2016: Weite Teile der Wohngebiete von Beacon Hill South sind bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Der Rauch liegt wie ein Grauschleier über der Region.
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1. Mai 2016: Beacon Hill North vor dem Feuer. Der Stadtteil grenzt direkt an ein dichtes Waldgebiet.
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6. Mai 2016: Zahlreiche Gebäude in Beacon Hill North sind abgebrannt – allerdings nicht alle. Manchmal entscheiden wenige Meter, ob ein Haus zerstört wird oder nicht.
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Feuer in Kanada
1. Mai 2016: Wood Buffalo Estates im Westen von Fort McMurray. Auch dieser Stadtteil liegt in unmittelbarer Nähe der Wälder.
Feuer in Kanada
6. Mai 2016: Dutzende Häuser in Wood Buffalo Estates wurden vom Waldbrand vernichtet. Immer noch ziehen Rauchschwaden über das Gebiet.

200.000 Hektar Wald sind bislang vernichtet worden, 2.400 Häuser ausgebrannt, ganze Straßenzüge zerstört. Trotzdem sind die Waldbrände bisher noch unerwartet glimpflich verlaufen. Es gab weder Tote noch Verletzte, 25.000 Gebäude stehen noch und die Infrastruktur ist erhalten. Dass niemand zu Schaden kam, bezeichnete die Regierungschefin der Provinz, Rachel Notley, als Wunder – genau wie den Umstand, dass "offenbar 90 Prozent der Stadt Fort McMurray gerettet werden konnten", und zwar dank "schneller Reaktion und harter Arbeit": Inzwischen sind 1.547 Feuerwehrmänner, 121 Helikopter und 28 Tankflugzeuge im Einsatz.

Das ist nur die halbe Wahrheit. Denn die Einsatzkräfte konnten das Feuer selbst kaum eindämmen. Der Brand war nie unter Kontrolle. Er ist nur weitergezogen. Nur weil es endlich regnete, stabilisierte sich die Lage. Was aber, wenn es trocken geblieben wäre? "Es ist utopisch, gegen einen Brand in dieser Dimension direkt etwas ausrichten zu wollen", sagt der Ökoklimatologe Christian Schunk von der TU München.

Große Waldbrände gibt es in Kanada immer wieder – sie gehören zum Ökosystem. Erfahrung und Ausrüstung haben die Feuerwehrleute reichlich. Wieso also waren sie tagelang machtlos gegen die Flammen? Die Gründe sind vielseitig: das Wetterphänomen El Niño, der Klimawandel und nicht zuletzt die Feuerpolitik der vergangenen Jahrzehnte.

"Die extreme Trockenheit des Frühjahrs hat definitiv zur Größe des Waldbrands beigetragen", sagt Schunk. An manchen Tagen registrierten Albertas Wetterbehörden Temperaturen von 30 Grad Celsius und mehr. Normalerweise ist es um diese Jahreszeit dort rund 20 Grad kälter. Diese extreme Hitzewelle ist auch eine Folge der aktuellen El-Niño-Konstellation (alles zu diesem globalen Wetterphänomen lesen Sie hier). 

Viel Zunder, überall

"Große Teile des Waldbodens waren sehr trocken, es gab viel brennbares Material, wie herabgefallene Nadeln oder Zweige", sagt der Forstwissenschaftler. Einmal entfacht, fanden die Flammen viel Nahrung, um rasch zu wachsen. Starke, trockenheiße Winde geben ihnen zusätzlich Kraft und lassen sie in unvorhersehbare Richtungen lodern.