"Tüte?" – "Nein, danke." Immer weniger Deutsche nehmen beim Einkauf eine Plastiktüte dazu. Ja, Kritiker können jetzt sofort einwenden, dass Alternativen aus Papier oder Jute nicht unbedingt besser sind. Stimmt auch. Aber immerhin zeigt der Trend: Die seit Juli geltende Selbstverpflichtung des deutschen Einzelhandels, für Tüten Gebühren zu nehmen, hat deren Absatz sinken lassen. Und niemand hindert Geschäfte daran, für Papiertüten ebenfalls ein paar Cent zu nehmen – so, wie viele es schon machen.

Einige Händler verzichten sogar ganz auf die Wegwerfbeutel aus Polyethylen. Seit heute zählt auch die Rewe-Gruppe mit mehr als 3.000 Supermärkten dazu.

Das Beste für die Umwelt wäre ohnehin, den eigenen Rucksack oder die Tüte vom letzten Mal mitzubringen. In Umfragen gab 2015 schon fast die Hälfte aller Befragten in Deutschland an, dass sie Tüten zwei- bis viermal verwenden. Neue Zahlen dazu liegen zwar noch nicht vor. Aber man darf wohl erwarten, dass künftig noch mehr Menschen an ihre eigenen Tragetaschen denken werden oder sich die Einkäufe schlichtweg lose unter die Arme klemmen – wenn nicht aus Umweltbewusstsein, so zumindest aus Geiz.

Genaue Zahlen habe der Handelsverband Deutschland (HDE) noch nicht, jedoch würden einzelne Geschäfte einen "deutlichen Rückgang" verzeichnen, berichtete die FAZ am Sonntag: Bei der Textilkette C&A, die seit April eine Gebühr für Tüten nimmt, läge dieser bei 50 Prozent.

Europa sagt Plastik den Kampf an

All das soll helfen, eine EU-Richtlinie umzusetzen, durch die der Verbrauch der Kunststofftüten in den Mitgliedstaaten bis 2019 auf 90 und bis 2025 auf 40 Tüten pro Einwohner und Jahr sinken soll. Bisher liegt er in der Europäischen Union bei etwa 200 – in Deutschland bei um die 70 Plastiktüten.

Welche Tüte soll man nehmen? Unsere Kartengeschichte zeigt's:

© design56/shutterstock.com
Tüten mit Tücken

Tüten mit Tücken

Plastiktüten vermüllen Europa. Stoffbeutel oder Papiertaschen gelten als Alternativen. Doch wie ökologisch sind sie wirklich?

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Auslaufmodell kostenlose Tüte

Seit dem 1. Juli 2016 gibt es Plastiktüten kaum noch umsonst, um die Umwelt zu schonen. Mehr als 240 Unternehmen in Deutschland haben sich verpflichtet, Tüten nur gegen Gebühr abzugeben.

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Was ist das Problem?

Was ist das Problem?

Plastiktüten werden aus Polyethylen hergestellt, der Rohstoff dafür ist Erdöl. Sie halten mehrere Hundert Jahre lang. Das hat Folgen.

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© Pal Pillai/AFP/Getty Image
Der Strand als Deponie

Der Strand als Deponie

Da sich Kunststoffe erst nach 500 Jahren zersetzen, wachsen überall Müllberge. Die Abbaustoffe belasten Böden und Gewässer.

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Sie müssen drei bis vier Mal wiederverwendet werden, um ökologisch besser zu sein als Plastiktüten. Sie sind also nicht per se besser. Ihre Zellstofffasern werden chemisch behandelt. Die Tüten müssen dick sein, um nicht zu reißen, wozu man viel Holz braucht. Weil Papier schwerer ist als Plastik, werden beim Transport mehr Emissionen freigesetzt.

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Besser als Naturfasern: Schon nach dreimaligem Wiederverwenden haben Kunststofftaschen eine bessere Umweltbilanz als Einwegtüten aus Neugranulat. Meist bestehen sie aus recyceltem Material von PET-Flaschen.

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85 Prozent weniger Tüten in England

Dass ein Gesetz noch mehr brächte, legt das Beispiel England nahe. Dort wurde im Oktober eine Bezahlpflicht (mindestens fünf Cent pro Tüte) eingeführt. Alle Handelsketten, die mehr als 250 Mitarbeiter beschäftigen, müssen die Gebühr erheben. Seither wurden bis zu 85 Prozent weniger Plastiktüten an Verbraucher ausgegeben, berichtet das dortige Umweltministerium. Hatten die sieben größten englischen Supermarktketten im Jahr 2014 noch etwa 7,6 Milliarden Tüten verteilt, waren es in den sechs Monaten nach Inkrafttreten des Gesetzes nur noch etwa 500 Millionen

Etwas Gutes hat die Tütengebühr in England auf jeden Fall: Viele dortige Handelsketten spenden alles oder Teile des Betrags für wohltätige Zwecke. Auf diese Weise kamen schon 29 Millionen Pfund (etwa 34 Millionen Euro) zusammen.

Hilft das der Umwelt jetzt wirklich?

Wie viel das Einsparen von Plastiktüten der Umwelt bringt, darüber streiten Wissenschaftler. Dabei kommt es stark darauf an, ob Verbraucher auf andere Materialien ausweichen oder wirklich über Jahre konsequent ihre eigenen Beutel, Kisten oder Rucksäcke mitbringen. Im direkten Vergleich mit alternativen Tüten wie Stoffbeuteln, alternativen Kunststoffen oder Papiertaschen ist die Ökobilanz der klassischen Plastiktüte nämlich gar nicht so schlecht. Papier gilt unterm Strich sogar als schädlicher. Und auch wiederverwertbarer Kunststoff ist bislang keine echte Alternative.

Welche Tüte hat die bessere Ökobilanz? Seit einiger Zeit sind Plastiktüten in Geschäften kostenpflichtig. Welche Alternativen sind besser: Papier, Stoff oder Jute?