Was ist das? Ein Williamsgecko. Was macht der? Er leuchtet blau – was Lygodactylus williamsi zu einem der beliebtesten Geckos unter Reptilienhaltern gemacht hat. In Terrarien wird er einquartiert, gefüttert mit Fliegen, Larven und Heuschrecken. Sein Revier: ein Fake-Regenwald aus Minipflanzen. Bestenfalls solche, wie es sie in seiner Heimat Tansania gibt. Wenn es gut läuft, hat er einen Partner in seinem Glaskasten. Hat er Pech, spart sein Besitzer nicht nur an Gesellschaft, sondern zudem an ausreichend Licht aus der energiefressenden UV-Lampe: Dann verkümmern die Knochen des Geckos, weil er kein Vitamin-D bilden kann und ihm Kalzium fehlt.

Kann man Reptilien artgerecht halten?

Das traurige Schicksal teilt er nicht nur mit Artgenossen, sondern Tausenden Reptilien in deutschen Haushalten. Wie viele Terrarien es hierzulande gibt, ist nicht bekannt. Tierschützer der Organisation Peta gehen von rund einer Million aus. Sie lehnen die Haltung exotischer Tiere gänzlich ab, auch weil sich unter den gehandelten Haustieren jede Menge vom Aussterben bedrohte Arten finden, die dazu gewildert und unter grausamen Bedingungen geschmuggelt werden. 

Der türkisblaue Zwerggecko beispielsweise. Seine Heimat: ein zerstückeltes Habitat in den Kimboza- und Ruvu-Wäldern Tansanias. Insgesamt umfasst das Gebiet nur rund 20 Quadratkilometer. Nirgendwo sonst auf der Welt ist die Art zu finden. Weil Tierhändler das wissen, gehen sie dort gezielt auf Geckojagd. Allein im Kimboza-Wald wurden innerhalb von nur fünf Jahren 15 Prozent dieser Geckos für den Tierhandel gefangen. Als vom Aussterben bedroht steht der türkisblaue Zwerggecko daher mittlerweile auf der Roten Liste bedrohter Arten (Salamandra: Flecks, Weinsheimer et al. 2012, PDF).

Bisher ist der Handel mit ihm nicht generell verboten. Das wäre er erst, wenn Lygodactylus williamsi auf Anhang eins des Washingtoner Artenschutzabkommens (siehe Kasten) gesetzt würde. Einen Antrag dazu haben Tansania und die EU gestellt. An diesem Wochenende sollen die Delegierten auf der gerade laufenden Artenschutzkonferenz in Johannesburg über die Zukunft des Geckos entscheiden. Auch um den Schutzstatus des erst 2009 entdeckten psychedelischen Geckos (Cnemaspis psychedelica) aus Vietnam und des madegassischen Masobe Großkopfgeckos (Paroedura masobe) verhandeln die Cites (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora)-Mitgliedstaaten.

Viele weitere bedrohte Reptilienarten stehen längst auf der Roten Liste, genießen aber keinen Cites-Schutz. "Allein in Tansania gibt es rund 360 Reptilienarten, von denen 86 ausschließlich dort vorkommen", schreibt die Organisation Pro Wildlife in einem Tierschmuggelbericht, der auch zeigt: Hauptabnehmer solcher Schmuggelware sind die Länder der EU. Selbst wenn Tiere in ihren Heimatländern per Gesetz nicht gefangen werden dürfen: In Kisten, Beuteln und Koffern versteckt, fallen die leisen Reptilien am Zoll nur selten auf. Vor allem nicht, wenn sie bei der Einfuhr längst tot sind.

Ein Gecko vom Züchter, eine Alternative?

Selbst wenn der internationale Handel mit Arten wir dem türkisblauen Zwerggecko verboten würde, hieße das nicht, dass Deutsche sie nicht mehr halten dürften. Das Cites-Abkommen gilt nur für Wildtiere. Gezüchtete Geckos sind davon ausgenommen.

Die Biologin Ulrike Träger ist Züchterin. Seit mehr als fünf Jahren zieht sie die empfindlichen türkisblauen Zwerggeckos groß. Auch, um den Schmuggel von Tieren zu verhindern. Sie ist überzeugt, dass eine artgerechte Haltung machbar ist. Doch sie sagt auch: Nur wer sehr viel Wissen mitbringt und bereit ist, Zeit, Geld und Arbeit in die Tierhaltung zu stecken, sollte sich für einen Gecko als Haustier entscheiden. Ihr Zuchtweibchen legt an die 40 Eier pro Jahr. Nicht aus allen schlüpfen Jungtiere und nicht alle erreichen das kritische Alter von sechs Monaten. "Dann sind sie robust, langsam geschlechtsreif und fast ausgewachsen und können an Tierhalter vermittelt werden", sagt Träger. Etwa 15 bis 20 Tiere verkauft sie im Jahr.

Reptilienhaltung – ein teures Hobby

"Wir ziehen unsere Jungtiere in Gruppen auf, damit sie ein möglichst natürliches Sozialverhalten entwickeln", sagt Träger. "Auch erwachsene Exemplare sollten nie einzeln gehalten werden." Wer bei ihr einen Gecko kaufen will, muss einen kurzen Fragebogen ausfüllen, in dem Fachwissen abgefragt wird. "Wer die Fragen nicht beantworten kann und nicht bereit ist, sich wenigstens vor dem Kauf intensiv zu informieren, bekommt kein Tier von mir." Außerdem müsse Interessenten klar sein: "Mit den rund 140 Euro, die die Anschaffung des Tiers kostet, ist es nicht getan."

Allein die Grundausstattung eines Hightech-Geckoterrariums mit der Technik, die für das richtige Licht und Klima sorgt, koste um die 1.000 Euro. Monatlich kommt wegen der UV-Lampen eine hohe Stromrechnung dazu. Einfach in den Urlaub fahren und die Geckos sitzenlassen? Das geht nicht. Sie brauchen lebende Insekten als Futter und täglich müssen die Terrarien mit Wasser besprüht werden, um die Feuchtigkeit zu halten und den Tieren Trinkwasser anzubieten. Außerdem sollte die Temperatur überwacht werden. Selbst wenn die Technik in Terrarien vieles davon automatisch macht: Mehr als ein paar Tage dürfen Halter ihre Geckos nicht sich selbst überlassen.