Milzbrand ist eine alte Krankheit. Schon Überlieferungen aus der Antike und dem alten Rom erzählen von der "fleischfressenden" Seuche. Selbst in der Bibel tauchen Hinweise auf. Auch heute infizieren sich Menschen noch mit dem Erreger, entweder direkt oder über seine Sporen. Auch als potenzielle Biowaffe ist er gefürchtet.

Als einzige Ursache galt lange das Bakterium Bacillus anthracis. Mittlerweile wurde jedoch ein weiterer Keim entdeckt, der die Krankheit ebenfalls auslösen kann. Forscher des Robert Koch-Institutes (RKI) haben ihn untersucht und ihm den Namen Bacillus cereus biovar anthracis gegeben (PLOS Neglected Tropical Diseases: Antonation et al., 2016). Er löst eine Infektion aus, die dem Milzbrand sehr ähnlich ist und offenbar ebenso tödlich verlaufen kann, zumindest für Tiere.

Die Wissenschaftler haben in Afrika Proben von kranken oder toten Schimpansen, Gorillas, Elefanten und Ziegen genommen. An der Elfenbeinküste, in der Zentralafrikanischen Republik, in der Demokratischen Republik Kongo und in Kamerun haben sie den Erreger gefunden. Ob er auch Menschen krank machen kann, können sie bislang nicht beurteilen. In der Vergangenheit tauchte jedoch schon einmal ein ähnliches Bakterium auf, das beim Menschen eine Erkrankung auslösen konnte, die dem Milzbrand ähnelte (PNAS: Hoffmaster et al., 2004).

Das Besondere: Der Keim ist eigentlich enger mit einem anderen Bakterium verwandt, das gar keinen Milzbrand auslöst. Genetisch stammt er von Bacillus cereus ab – ebenfalls ein Sporenbildner, dem aber zwei bestimmte Erbgutmoleküle fehlen, um Milzbrand auszulösen. Das neu entdeckte Bakterium besitzt sie beide und ist somit ein weiterentwickeltes Bacillus cereus, das in seiner ursprünglichen Form beim Menschen nur Erbrechen oder Durchfall verursacht.

Menschen können an Milzbrand auf vier verschiedene Weisen erkranken: Am Haut-, Lungen-, Injektions- oder Magen-Darm-Milzbrand. Die Infektion verläuft je nach Typ unterschiedlich. Das RKI hat die Arten auf seiner Website ausführlich beschrieben.

Demnach äußert sich Hautmilzbrand in einer anfänglichen Entzündung und später mit einem schwarzen Geschwür an der Hautstelle, die mit dem Bakterium in Berührung gekommen ist. Die Gefahr ist, dass sich die Entzündung ausbreitet und zu einer Blutvergiftung führt.