Abgase von Autos und aus der Industrie, giftiger Rauch aus Tonnen mit brennendem Müll, Feinstaub durch Kohle- und Holzverbrennung: All das verschmutzt die Luft weltweit – und hat Folgen für die Gesundheit von Kindern.

Rund 300 Millionen Kinder müssen laut einem Bericht des Kinderhilfswerkes der Vereinten Nationen (Unicef) jeden Tag verschmutzte Luft einatmen. Die hohe Konzentration von Giftstoffen setze sie einem erhöhten Risiko von Atemwegserkrankungen und sogar Gehirnschäden aus. "Jedes Jahr sterben fast 600.000 Kinder unter fünf Jahren an den Folgen von Krankheiten, die durch schlechte Luft drinnen und im Freien ausgelöst oder verschärft werden", heißt es in dem Bericht. Er wurde am Montag in New York vorgestellt. In erster Linie geht es dabei um Feststoffe, wie Feinstaub, Schwefeldioxid, Stickoxide, Ozon und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe.

Schlechte Luft ist allerdings keine direkte Todesursache. Die Unicef hat für ihren Bericht hochgerechnet, wie viele Kinder jährlich in etwa an den Folgen von Erkrankungen sterben, die mit verschmutzter Luft in Verbindung stehen, darunter in erster Linie Lungenentzündungen, aber auch Bronchitis oder Asthma. Diese Verbindung bedeutet: Dort, wo die Luft besonders stark verschmutzt ist, kommen solche Krankheiten statistisch häufiger vor. Wie viele Kinder auch bei nicht verschmutzter Luft daran erkrankt wären, lässt sich aber schwer ermitteln. Entsprechend vorsichtig sind solche Statistiken zu interpretieren.

Kinder in Asien und Afrika trifft es am stärksten

Fest steht jedoch: Jedes siebte Kind auf der Welt atmet Luft ein, deren Verschmutzungsgrad die internationalen Grenzwerte um mindestens das Sechsfache übersteige, schreibt Unicef. Schätzungsweise zwei Milliarden Kinder leben demnach in Gebieten, in denen die Luft schlechter ist als von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen. Am stärksten betroffen sind Kinder in den schnell wachsenden Städten Süd- und Ostasiens sowie Afrikas. Darauf will Unicef eine Woche vor Beginn der Weltklimakonferenz in Marrakesch aufmerksam machen.

Hinzu kommt, dass schlechte Luft für Kinder besonders gefährlich ist. Sie atmen doppelt so schnell wie Erwachsene und nehmen relativ zu ihrem Körpergewicht mehr Luft auf, heißt es in dem Bericht. Zudem werde die langfristige Entwicklung der Kinder beeinträchtigt. "Keine Gesellschaft kann es sich leisten, die Luftverschmutzung zu ignorieren", sagte Unicef-Direktor Anthony Lake.

Das Problem besteht auch in Europa. 120 Millionen Kinder müssen dort Luft einatmen, deren Belastung die Grenzwerte der WHO übersteigt. Für 20 Millionen übersteigt die Verschmutzung sogar das Doppelte der als verträglich geltenden Obergrenze.

Wissenschaftler warnen davor, nur die Luftverschmutzung im Freien im Blick zu haben. Besonders ärmere Kinder seien in ihren Häusern giftiger Luft ausgesetzt, wenn dort Holz und Kohle zum Kochen und Heizen verbrannt werde. Das treffe häufig auch auf Flüchtlingskinder zu, die oft lange in Zelten ausharren müssen.    

Korrekturhinweis: Die Meldung wurde überarbeitet, um deutlicher zu machen, dass schlechte Luft keine direkte Todesursache ist und es hier um einen statistischen Zusammenhang geht.