Kein Landtier rennt schneller als der Gepard. In drei Sekunden von 0 auf 100 km/h – damit hält Acononyx jubatus den Weltrekord. Jetzt warnen Zoologen, dass die schnellste Raubkatze der Erde rascher aussterben könnte als befürchtet. Sie schätzten den Bestand auf weniger als 7.100 Tiere. Wie dramatisch die Lage sei, zeige das Beispiel Zimbabwe: Allein dort sei der Bestand innerhalb von 16 Jahren um 85 Prozent gesunken.

Weltweit bewohnt der Gepard nur noch neun Prozent seines einstigen Lebensraums, berichten die Wissenschaftler und Artenschutzorganisationen im Magazin PNAS (Durant et al., 2016 – noch nicht öffentlich), sowie in einer Pressemitteilung.

Dreiviertel aller Geparden würden durch Reviere außerhalb definierter Schutzzonen ziehen. Dort seien sie Wilderei, Konflikten mit Bauern, dem Verlust ihres Lebensraums und dem Rückgang ihrer Beute ausgesetzt. Das sei bisher beim Schutz der Raubkatzen vernachlässigt worden. Die Forscher fordern daher, die Raubkatze auf der Roten Liste gefährdeter Arten von "gefährdet" (vulnerable) auf "stark gefährdet" (endangered) hochzustufen (siehe Kasten). Außerdem müssten die Schutzmaßnahmen außerhalb von Nationalparks, Reservaten und anderen Schutzzonen verstärkt werden.

Geparden sind schwer zu zählen

Die jetzt erschienene Geparden-Schätzung stützt sich auf diverse Daten, darunter Zählungen einzelner Populationen und Hochrechnungen. "Die meisten genaueren Daten stammen aus Schutzgebieten. Das hat bisher das Ergebnis verfälscht", schreiben die Autoren in PNAS – viele der Populationen seien alles andere als stabil, wie ihre neue Analyse zeige. Außerhalb von Nationalparks würden viele Populationen so stark schrumpfen, dass dies dort, wo der Bestand zunimmt, nicht ausgeglichen werden könne. 77 Prozent aller Geparden leben außerhalb geschützter Gebiete. Und selbst in den Schutzzonen sind sie nicht sicher vor Wilderern.

Dass Geparden neben Gazellen, Warzenschweinen oder Gnus auch Rinder und Ziegen reißen, macht Viehzüchter wütend. Zusätzlich können die Raubkatzen für Menschen, vor allem Kinder, gefährlich werden. Streifen sie durch Dörfer oder Weideland, werden sie häufig vergiftet oder erschossen. Auch als Buschfleisch enden sie zum Teil noch – wobei die Wilderei zum illegalen Handel mit Fellen oder lebenden Geparden als Haustiere die größere Bedrohung ist.

In Asien weitgehend ausgestorben

Im asiatischen Raum gibt es fast keine Geparden mehr. Aus 98 Prozent ihres einstigen Lebensraums sind die Tiere verschwunden. Übrig ist eine kleine Population von weniger als 50 Exemplaren im Iran. Denkbar, dass in Pakistan noch vereinzelt Tiere verstreut sind – in der Schätzung des Gesamtbestandes tauchen sie nicht mehr auf.