Planen Sie bei Ihrem nächsten Zoobesuch einen längeren Aufenthalt bei den Makaken ein. Reden Sie dem Äffchen Ihrer Wahl gut zu. Vielleicht wecken Sie sein Interesse. Eventuell kommt es sogar rüber an die Scheibe oder ans Gitter. Und möglicherweise, mit ganz viel Glück, wird es Ihnen entgegnen: "Hör'n se ma', Kleener! Sin'se immer so'n Plappermaul?"

Zugegeben, das wird wohl eher nicht passieren. Nur warum nicht? Die Debatte darum hält schon seit Charles Darwin an. Können Affen nicht sprechen, weil ihr Gehirn nicht dazu fähig ist – oder weil es ihnen ihr Körperbau nicht erlaubt? Dieser Frage geht eine neue Studie des Evolutionsbiologen Tecumseh Fitch nach, der in der Fakultät für kognitive Biologie der Uni Wien doziert (Science Advances: Tecumseh Fitch et al., 2016). Darin brechen die Forscher mit einer jahrzehntealten Hypothese.

Die Sprachbarriere

Denn seit 1969 herrscht beherrscht die Verhaltensforschung eine Doktrin, die auf den Arbeiten des Amerikaners Philip Lieberman fußt. Der Kognitionswissenschaftler war seinerzeit einer der ersten, die studienbasierte Erkenntnissen in die Diskussion brachte.

Lieberman und Kollegen erstellten damals einen Gipsabdruck von Rachenraum und Sprachapparat eines verstorbenen Rhesusaffen, einer Makakenart. Darauf aufbauend entwickelten sie ein Computermodell, das simulierte, welche Laute der Affe mit seinen Organen erzeugen könnte. Die Forscher verglichen diese phonetischen Möglichkeiten mit denen des Menschen und kamen zu dem Schluss: Affen können schon allein deshalb keine Laute bilden, die menschliche Sprache ähneln, weil ihr Kehlkopf dafür nicht tief genug liegt (siehe Kasten). Fortan galt das, was manchmal zum ausgeprägten Adamsapfel heranreift, als Meilenstein menschlicher Evolution. Der tief liegende Kehlkopf machte den Menschen menschlich. Nur dank ihm konnte er sprechen.

Zoologisches Voice-over

Den Wiener Forschern aber reichte Liebermans Ansatz nicht. Schließlich war das Versuchsäffchen bereits tot gewesen. Der Gipsabdruck zeigte nicht, wie der Sprachapparat der Makaken genutzt wurde. Also entschlossen sich die Biologen, lebenden Tieren "beim Sprechen" zuzuschauen – diesmal Javaneraffen, nahen Verwandten von Liebermans Rhesusaffen. Mittels Röntgenaufnahmen stellten sie fest, wie sich Zunge, Rachen und Hals veränderten, sobald die Makaken zu Lauten bereit waren. Doch auch das war den Wissenschaftlern noch zu wenig.

Denn das Repertoire äffischer Sprache stellte nur dar, was die Javaneraffen taten – nicht jedoch, zu was sie in der Lage wären. Also scannten die Forscher die Tiere auch, während sie die Lefzen hochzogen, Grimassen schnitten oder gähnten. Die Biologen bezogen also die Mimik ein. Ihre Theorie: Wenn die Rhesusaffen zu diesen Veränderungen fähig sind, dann könnten sie bei entsprechendem Luftausstoß auch die korrespondierenden Laute erzeugen.