Die Erde erwärmt sich, da sind sich die meisten Wissenschaftler einig. Die Folgen: Küsten verformen sich, Ackerflächen trocknen aus, Städte werden geflutet und Eisflächen schmelzen. Das zeigte auch der neueste Report des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) des Weltklimarates. Die Gruppe unabhängiger Experten wertet regelmäßig Studien aus aller Welt zum Klimawandel aus und kam jüngst zum Ergebnis: Extremes Wetter wird sehr wahrscheinlich noch extremer – und häufiger. 

Derartige Unwetter sind schon per Definition die Ausnahme. Wenn jedoch die globale Durchschnittstemperatur steigt, hat das auch Einfluss auf unser normales Wetter. Die Erderwärmung wird etwa entscheiden, wie sich künftig milde und ungemütliche Tage auf verschiedene Regionen weltweit verteilen. 

Die Auswirkungen auf die besten Tage des Jahres hat nun ein Team um die niederländische Forscherin Karin van der Wiel für die US-Behörde für Ozean- und Atmosphärenforschung (NOAA) untersucht (Climate Change: van der Wiel et al., 2017). In ihrer Studie kommen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass Mitteleuropa über die nächsten knapp hundert Jahre mehr Schönwettertage bekommen wird. Klingt erst einmal erfreulich. Nur wird es dafür anderen Regionen deutlich schlechter gehen.

Und: Gutes Wetter ist immer auch Auslegungssache. Deshalb bestimmten van der Wiel und ihre Kollegen, wie ein idealer Tag aussehen sollte: Pro Tag weniger als ein Millimeter Niederschlag und Temperaturen zwischen achtzehn und dreißig Grad. Der Taupunkt sollte täglich unter zwanzig Grad liegen. Er steht für die Temperatur, bei der die Luft mit Wasser gesättigt ist, sodass hundert Prozent Luftfeuchtigkeit, also extremes Tropenklima, herrschen.

Vier bis zehn der schönsten Tage fallen weg

Um die Entwicklung des idealen Wetters zu modellieren, nutzten die Wissenschaftler das sogenannte HiFlor-Modell (High Forecast-Orietated Low Ocean Resolution) der NOAA. Dafür zerlegen sie die Erdatmosphäre in kleine Teile, vorstellbar wie kleine Luftboxen. Jeder Box ordnen sie den Luftdruck, die Temperatur und die Feuchte zu, die in diesem Ausschnitt der Atmosphäre herrschen. Die Werte stammen aus Klimamodellen, etwa vom IPCC.

Mithilfe dieser Zerlegung können sie künftige Wetterlagen simulieren – zum Beispiel die Schönwettertage bis zum Ende dieses Jahrhunderts. Allerdings haben sie einige Parameter nicht einbezogen, beispielsweise die Bewölkung. Die wäre maßgeblich für die Sonnenstunden verantwortlich – und somit dafür, ob ein Tag als angenehm empfunden wird. Dies hätte die Rechenkapazität während der Untersuchung aber zu sehr beeinträchtigt.

Die Grafik zeigt, welche Regionen in Zukunft gute Tage gewinnen (blau) oder verlieren (rot) werden. Der weltweite Durchschnitt liegt derzeit bei 74 Tagen. © NOAA/ Princeton University

Das Modell zeigt global gesehen ein wenig erfreuliches Bild: Bis zum Jahr 2035 sollen vier, bis 2100 sogar zehn der schönsten Tage des Jahres verloren gehen, also mit derzeit 74 idealen Tagen jährlich knapp 14 Prozent. 

Das schlechte oder unangenehme Wetter, also sowohl sehr kalte, sehr nasse, sehr trockene sowie sehr heiße Tage, verteilt sich ungleich über den Erdball. Vor allem die Tropen und Subtropen bekommen viel davon ab. Die weltweit steigenden Temperaturen sorgen für mehr Verdunstung und mehr Niederschlag. Rio de Janeiro hat deshalb jährlich etwa 25 schöne Tage weniger.

Ähnlich geht es Kuba oder Thailand: 25 bisher angenehme Tage könnten künftig schwül und heiß werden. In Afrika, Arabien und Indien findet sich fast keine Region, in der die Zahl schöner Tage – wie die Forscher sie definieren – steigt. Kleine Ausnahmen bilden die Gebirgsregionen Madagaskars und Südafrikas. Bisher ist es in diesen hohen Lagen sehr kalt, durch die Erwärmung wird es milder.

Schnee und Frost schmelzen weg

Vom guten Wetter profitiert auch Mitteleuropa: Bis 2100 soll es statt sechzig milden Tagen 75 geben. Noch mehr kommen nur in Hochgebirgsregionen wie den chilenischen Anden, den Alpen oder dem Himalaya dazu. Für Skifahrer ist das weniger erfreulich. Die müssen dann öfter die Wanderstöcke auspacken.

Nicht nur auf den Tourismus können sich solche Wetterumschwünge auswirken. Im Norden Russlands und Kanadas lassen die milden Temperaturen den Permafrost schmelzen. Die einst festen Böden verwandeln sich vorübergehend in Matsch, Schienen, Straßen und Häuser könnten versinken. Andererseits könnten große Flächen erstmals landwirtschaftlich nutzbar und die Nordostpassage vor der russischen Küste schiffbar werden, wenn etwa das Arktisschild schmilzt.

Van der Wiel schreibt, dass der Prozess bereits im Gang ist. Eine Analyse der Wetterdaten der vergangenen 25 Jahre offenbare, dass weltweit bereits zweieinhalb gute Tage verloren gegangen sind. Und auch wenn das in Mitteleuropa angenehm ist, bringt es viele Regionen der Welt in noch größere Schwierigkeiten.