Egal, ob in Indonesien, Indien oder Nordamerika: Die Bedrohung von Naturschutzgebieten durch die zunehmende Weltbevölkerung macht auch vor jenen Schutzzonen nicht halt, die von der Unesco einst zum Weltkulturerbe ernannt wurden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die den Zusammenhang zwischen dem sogenannten menschlichen Fußabdruck und dem globalen Waldsterben untersucht hat (Biological Conservation: Allan et al., 2017). Der menschliche Fußabdruck ist eine standardisierte Einheit, mit der der steigende menschliche Einfluss auf die Umwelt gemessen werden kann. Die Forscher identifizieren so mehr als 100 Naturschutzgebiete, die besonders gefährdet sind.

Demnach sind seit 1993 rund 63 Prozent der untersuchten Schutzgebiete besonders betroffen von den Auswirkungen der Zivilisation, etwa dem Bau neuer Straßen, der Ausweitung landwirtschaftlicher Nutzflächen, von Infrastruktur und Besiedlungen.

Besonders betroffen sind Naturdenkmäler in Asien, wie etwa der Manas-Nationalpark in Indien oder der Komodo-Nationalpark in Indonesien. Hier beispielsweise sind an die 5.700 Komodowarane zu Hause – Tiere, die man nirgends sonst auf der Welt findet. Im indischen Manas wiederum finden viele gefährdete Arten Schutz, etwa der Königstiger, das Zwergschwein, der indische Elefant und das indische Panzernashorn.

Besonders viele Welterbestätten sind Schauplatz eines gravierenden Waldsterbens. Die größten Verluste verzeichnen dabei der amerikanische und australische Kontinent. Mit 57 Prozent stirbt in Nordamerika der meiste Wald. Als beispielhaft steht dafür der Waterton-Glacier International Peace Park entlang der kanadisch-US-amerikanischen Grenze, der rund ein Viertel seiner bewaldeten Fläche verloren hat. Als Verursacher haben die Forscher den Kiefernkäfer ausgemacht, der sich vermutlich als Folge des Klimawandels in der Vergangenheit extrem ausgebreitet hat.

"Die Welt würde es niemals akzeptieren, wenn etwa die Akropolis für neue Häuser in ihre Einzelteile zerlegt oder die Pyramiden für den Bau von Straßen plattgemacht würden", sagte der leitende Autor der Studie, James Allan von der australischen Universität in Queensland. "Dennoch lassen wir es zu, dass überall auf unserem Planeten viele der Naturerbestätten sich gerade deswegen fundamental verändern." Doch auch diese Stätten seien wichtig für die Menschheit und müssten deshalb geschützt werden.