Nie waren so viele Korallen vor Australiens Nordostküste so stark ausgeblichen wie derzeit. Das zeigt eine aktuelle Studie Australischer Biologen, die den Zustand des Great Barrier Reef in den vergangenen zwei Jahrzehnten detailliert untersucht haben (Nature: Hughes et al., 2017). Vor allem verantwortlich für den weißen Tod: steigende Wassertemperaturen, schreiben die Autoren. 

Korallen sind lebende Organismen. Sie gehören zu den Nesseltieren und fühlen sich in einer Wohngemeinschaft mit Algen, die sie mit Nahrung versorgen, auf einer Kalkschicht am wohlsten. Wie die vergangenen Jahrzehnte gezeigt haben, sind die Wesen enorm widerstandsfähig. Anhaltender großer Stress aber lässt sie erbleichen. Davor sind auch die Bewohner des weltweit berühmten Great Barrier Reef nicht gefeit.

Ein bekannter Faktor, der ihnen Unwohlsein bereitet, ist Hitze. Wenn das Wasser zu warm ist, beginnen die Algen giftige Moleküle zu produzieren. Um sich zu schützen, stoßen die Korallen ihre Mitbewohner ab. Da es ihnen dann jedoch an Nahrung fehlt, produzieren sie keinen Kalk mehr und verlieren ihre Farbe.

1998 war nichts dagegen

Mehrere Wochen, gar Monate können die Riffe in diesem Zustand überstehen und sich bestenfalls wieder erholen. Das haben gleich mehrere Studien in den vergangenen Jahren gezeigt (Graham et al., 2015). Untersuchungen belegen aber auch: Sind die Temperaturen dauerhaft zu hoch, sterben die Korallen ab.

Die Bleiche haben Forscher seit den Siebzigern weltweit immer wieder beobachtet. 2016 ist die Situation verstärkt durch das Wetterphänomen El Niño besonders drastisch gewesen, vor allem im Great Barrier Reef. Ihm hat El Niño nachweislich außergewöhnlich viel, außergewöhnliches warmes Wasser in außergewöhnlich häufigen Schüben beschert. Wie ein Forscherteam um den Biologen Terry Hughes von der James Cook University nun veröffentlicht hat, übertrifft die noch immer andauernde Bleiche die zwei letzten großen Ereignisse von 1998 und 2002 deutlich.

Waren ihren Berechnungen zufolge 1998 noch 45 Prozent der Riffe von der Bleiche verschont geblieben, seien es 2002 schon drei Prozent weniger gewesen. Im vergangenen Jahr aber waren es bloß noch neun Prozent, die nicht in eine Schutzstarre verfallen mussten. Zudem hätten die Korallen 2016 verglichen mit den beiden Notlagen zuvor vier Mal so häufig Hitzschläge aushalten müssen, schreiben die Forscher.