Zweieinhalb Minuten brauchte es, um die Hölle loszutreten. Es ist der 11. März 2011, 14.46 Uhr, als auf dem Meeresgrund vor Japans Nordosten die Erdkruste über 400 Kilometer Länge aufreißt. Teile der Küste verlagern sich schlagartig um bis zu 50 Meter nach Osten. Eine Fläche so groß wie Schleswig-Holstein hebt sich um einige Meter an.

Das stärkste je hier gemessene Beben löst hohe Wellen aus. Bis zu 40 Meter hoch türmen sich die Wassermassen, dringen gen Land. Als sie darauf treffen, werden ganze Küstenstädte ausgelöscht. Mehr als 18.000 Menschen sterben. Und im Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi fällt der Strom aus. Das Beben hat die Leitungen gekappt, der Tsunami Notstromgeneratoren überspült.

So begannen vor sechs Jahren die ungewissen Tage am Rande der nuklearen Katastrophe. Heute wissen wir, dass das Schlimmste am AKW Fukushima-Daiichi ausblieb. Trotz dreier gewaltiger Explosionen in den Reaktorgebäuden 1, 3 und 4. Trotz großer Mengen radioaktiver Stoffe, die austraten. Und trotz zahlreicher Pannen und Skandale rund um die Betreiberfirma Tepco. Heute ist die Anlage einigermaßen stabil. Das zeigt auch der Blick aus der Satellitenperspektive:

Infografik: Der Zustand des Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi

  • März 2011
  • Heute

500 m

Japan

Der Boden der Anlage ist mit Beton versiegelt, damit radioaktive Teilchen nicht einsickern oder aufgewirbelt werden.

Zur Detailansicht

Gebäude der Reaktoren 5 und 6

Gebäude der Reaktoren 1 bis 4

Neben einem neuen Bürogebäude gibt es für die mehr als 1.000 Arbeiter Unterkünfte und einen Supermarkt.

In Hunderten Tanks lagert radioaktiv belastetes Kühlwasser.

100 m

Roboter untersuchen die Schäden in den Reaktoren. Wegen der hohen Strahlung versagten zuletzt im Februar 2017 zwei der Maschinen im Block 2.

Eine Eiswand im Boden um die Reaktorblöcke soll verhindern, dass Grundwasser unter die Anlage fließt und Radioaktivität ins Meer spült.

Seit Juli 2013 ist Reaktorgebäude 4 ummantelt. Bis Dezember 2015 konnten alle Brennstäbe aus dem Abklingbecken entfernt werden.

Satellitenbild vom 12. November 2015

500 m

Japan

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Gebäude der Reaktoren 5 und 6

Gebäude der Reaktoren 1 bis 4

11. März 2011, 14.46 Uhr Ortszeit:

Ein Beben der Stärke 9 ereignete sich vor Japan. Mehrere Tsunamis, bis zu 14 Meter hohe Wellen, trafen innerhalb einer Stunde das AKW Fukushima-Daiichi.

100 m

Die Reaktorblöcke 5 und 6 wurden von dem Beben und den Tsunamis kaum beschädigt. Sie waren nicht in Betrieb.

Rund 80 Prozent der ausgetretenen Radioaktivität wehte aufs Meer.

12. März 2011, 15.36 Uhr:

Eine Wasserstoff­explosion zerfetzte die Betonhülle des überhitzten Reaktorgebäudes 1.

Aus Reaktor 2 entwich die größte Menge radioaktiver Stoffe beim Versuch, ihn zu stabilisieren.

14. März 2011, 11.01 Uhr: Entzündeter Wasserstoff sprengte das Gebäude von Reaktor 3.

15. März 2011, 6.14 Uhr:

Explosiver Wasserstoff aus Block 3 zerriss das Dach von Reaktor 4 und legte das Abklingbecken mit gelagerten Brennstäben frei.

Satellitenbild vom 17. März 2011

500 m

Japan

Der Boden der Anlage ist mit Beton versiegelt, damit radioaktive Teilchen nicht einsickern oder aufgewirbelt werden.

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Gebäude der Reaktoren 5 und 6

Gebäude der Reaktoren 1 bis 4

Neben einem neuen Bürogebäude gibt es für die mehr als 1.000 Arbeiter Unterkünfte und einen Supermarkt.

In hunderten Tanks lagert radioaktiv belastetes Kühlwasser.

100 m

Roboter untersuchen die Schäden in den Reaktoren. Wegen der hohen Strahlung versagten zuletzt im Februar 2017 zwei der Maschinen im Block 2.

Eine Eiswand im Boden um die Reaktorblöcke soll verhindern, dass Grundwasser unter die Anlage fließt und Radioaktivität ins Meer spült.

Seit Juli 2013 ist Reaktorgebäude 4 ummantelt. Bis Dezember 2015 wurden alle Brennstäbe aus dem Abklingbecken entfernt.

Satellitenbild vom 12. November 2015

500 m

Japan

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Gebäude der Reaktoren 5 und 6

Gebäude der Reaktoren 1 bis 4

11. März 2011, 14.46 Uhr Ortszeit:

Ein Beben der Stärke 9 ereignete sich vor Japan. Mehrere Tsunamis, bis zu 14 Meter hohe Wellen, trafen innerhalb einer Stunde das AKW Fukushima-Daiichi.

100 m

Die Reaktorblöcke 5 und 6 wurden von dem Beben und den Tsunamis kaum beschädigt. Sie waren nicht in Betrieb.

Rund 80 Prozent der ausgetretenen Radioaktivität wehte aufs Meer.

12. März 2011, 15.36 Uhr:

Eine Wasserstoff­explosion zerfetzte die Betonhülle des überhitzten Reaktorgebäudes 1.

Aus Reaktor 2 entwich die größte Menge radioaktiver Stoffe beim Versuch, ihn zu stabilisieren.

14. März 2011, 11.01 Uhr: Entzündeter Wasserstoff sprengte das Gebäude von Reaktor 3.

15. März 2011, 6.14 Uhr:

Explosiver Wasserstoff aus Block 3 zerriss das Dach von Reaktor 4 und legte das Abklingbecken mit gelagerten Brennstäben frei.

Satellitenbild vom 17. März 2011

+ Gesamtes Gelände anschauen

Fukushima war nach Tschernobyl der zweite GAU der Geschichte. Er gilt offiziell als katastrophaler Unfall, die schlimmste Kategorie auf der internationalen Skala für atomare Störfälle. Doch beide Unfälle lassen sich nicht miteinander vergleichen. In Tschernobyl explodierte 1986 ein Reaktor in vollem Betrieb. In Fukushima zerfetzte entzündeter Wasserstoff zum Glück nur die Außenhüllen dreier Reaktorgebäude. Japan evakuierte rasch die Gegend um das Atomkraftwerk. Helfer brachten innerhalb kurzer Zeit 81.000 Menschen aus der unmittelbaren Gefahrenzone. 25 Jahre zuvor lief erst einen Tag nach dem GAU die Evakuierung der nur drei Kilometer vom Reaktor entfernten 49.000-Einwohner-Stadt Prypjat an. Während die Kernschmelze offen lag und es tagelang weiterbrannte, wurden weitere rund 85.000 Menschen in einem Umkreis von 30 Kilometern erst acht Tage nach der Explosion in Sicherheit gebracht.

"Fukushima ist ein Ort, an den die Menschheit zurückkehren wird", sagt der Radioökologe und Strahlenschutzexperte Georg Steinhauser von der Leibniz Universität Hannover. "Und wenn es hundert Jahre dauert." Für Tschernobyl sei das so nicht vorstellbar.