Ob eine menschliche Nase groß, gekrümt oder klein ist, hängt einer neuen Studie zufolge vom lokalen Klima ab. Das schreibt ein internationales Forscherteam der Pennsylvania State University im wissenschaftlichen Magazin Plos Genetics. So seien Nasenlöcher in warmen, feuchten Umgebungen häufig breiter – in kühlem, trockenem Klima hingegen oft schmaler.

Das Anthropologenteam verglich anhand von 3-D-Aufnahmen verschiedene Nasenmaße bei 467 Menschen mit Vorfahren aus Nordeuropa, Westafrika, Süd- und Ostasien. Die Berücksichtigung von Weichteilen der Nase sei dabei neu gewesen, sagte die Paläoanthropologin Katerina Harvati von der Universität Tübingen. Harvati befasst sich ebenfalls mit der Evolution von Gesichtsformen. Nach ihren Angaben wurde der Zusammenhang von Nasenformen und Umgebungsklima bisher vor allem auf Basis von Knochenausmessungen untersucht.

Die meisten Unterschiede der weltweiten Nasenformen gingen auf völlig zufällige Veränderungen im Genpool zurück, heißt es in dem Artikel der Forschergruppe. Bei der Weite der Nasenlöcher und der Breite der Nasenbasis stellten die Forscher fest, dass die Unterschiede zwischen den verschiedenen Populationen größer waren als durch eine zufällige Veränderung allein erklärbar. Vielmehr habe dort über lange Zeit hinweg eine Anpassung an örtliche Lebensbedingungen stattgefunden.

Sie erklären das Phänomen damit, dass in schmalen Nasenlöchern kalte, trockene Luft effektiver erwärmt und durch die Schleimhäute besser angefeuchtet wird, bevor sie in die Lungen gelangt. "Eine wichtige Funktion der Nase und der Nasenhöhle ist es, die eingeatmete Luft aufzubereiten, bevor sie den unteren Atemtrakt erreicht." Diese Eigenschaft sei in Gegenden mit trockenem und kühlem Klima wahrscheinlich essenziell gewesen und habe Überlebensvorteile verschafft.

Die Wahl des Sexualpartners spielt eine Rolle

Allerdings gebe es für die Entwicklung bestimmter Nasenformen in einer Population viele weitere Gründe, etwa die Wahl des dort als attraktiv empfundenen Sexualpartners. Auf lange Sicht gebe es beispielsweise mehr Menschen mit großen Nasen, wenn diese dem lokalen Schönheitsideal entsprächen – oder eben umgekehrt.

Den Forschern zufolge ist es sinnvoll, die Form der Nasen und Nasenhöhlen auch mit Blick auf deren mögliche Anfälligkeit für Atemwegserkrankungen weiter zu untersuchen. "Vor allem, weil wir immer mehr Teil einer globalen Gemeinschaft werden und in neue Klimazonen ziehen", schreiben die Forscher.

Diese Frage werde in der Studie nicht untersucht, sagte die Tübinger Expertin Harvati. Allerdings gebe es diverse Beispiele dafür, wie die Lebensumgebung Körpermerkmale des Menschen präge. "Ein einfaches Beispiel ist die erhöhte Gefahr für Hautkrebs bei Menschen mit heller Haut, wenn sie hoher UV-Strahlung ausgesetzt sind." Umgekehrt litten dunkel pigmentierte Menschen in Gegenden mit schwacher Sonneneinstrahlung häufiger an Rachitis, weil sie weniger Vitamin D produzierten.

Auch die Proportionen des Körpers seien durchaus evolutionär an die Umweltumgebungen angepasst und beispielsweise kompakter, wenn Wärmeverlust vermieden werden solle. "Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass Menschen kulturelle Wesen sind und nicht auf biologische Adaption beschränkt", sagt Harvati.

Die Frage zu stellen, warum wir Menschen aussehen, wie wir aussehen, und wie sich bestimmte Merkmale aufgrund von Umweltbedingungen entwickelt haben, sei natürlich und wichtig, sagte die Forscherin. "Am wichtigsten daran ist meiner Meinung nach, dass es verhindert, solchen Merkmalen soziale Werte zuzuordnen, und so das Verständnis für unsere gemeinsame Menschlichkeit fördert – ganz egal, wie wir aussehen."