Wegen ihres Fleisches wurden sie über Jahrhunderte gejagt und ihr Lebensraum von Menschen verdrängt, was viele Seekuharten an den Rand der Ausrottung brachte – auch an den Küsten der USA. Selbst seitdem die Jagd verboten ist und sie unter strengem Artenschutz stehen, leben Floridas Manatis gefährlich: Die häufigste unnatürliche Todesursache unter den Säugetieren: Unfälle mit Motorbooten. Denn Manatis sind träge, grasen gerne in der Nähe von Stegen und Anlegern, sind in den trüben Gewässern gut getarnt und schwimmen nahezu lautlos im flachen Wasser.

Weniger Unfälle durch Schiffsschrauben

Weil das Unfallrisiko durch Schutzzonen und die Einführung von Tempolimits für Motorboote im Laufe der letzten 40 Jahre drastisch gesenkt werden konnte, dürften Floridas Manatis so schnell aber nicht aussterben. Das haben Forscher vom geologischen Dienst der USA berechnet. Diese Woche haben sie einen Bericht zum Bestand der Seekühe (USGS, Runge et al., 2017) veröffentlicht. Ihrer Einschätzung nach wird die Art die kommenden 100 Jahre mit ziemlicher Sicherheit überleben – vorausgesetzt, die Tiere bleiben gut geschützt.

Um eine valide Prognose zu erstellen, werteten die Wissenschaftler Daten von mehr als 3.000 Tieren aus über 30 Jahren Seekuhforschung aus, darunter Ergebnisse aus Genanalysen, Hunderttausenden Fotos, Telemetriedaten und Satellitenaufnahmen. Zusammen liefern diese Puzzleteile umfassende Erkenntnisse über das Verhalten, Fortpflanzungs- und Sterberaten, die Verbreitung und die Entwicklung des Lebensraums. Daraus entwickelten die Wissenschaftler ein Computermodell, mit dem sie die Zukunft der Manatis simulieren können.

Demnach wären Floridas Seekühe (Trichechus manatus latirostris) – eine Unterart der Karibik-Manatiserst dann akut vom Aussterben bedroht, wenn ihr Bestand langfristig auf unter 500 Tiere fallen würde. Die Wahrscheinlichkeit dafür liege jedoch bei unter 0,5 Prozent. Nach neusten Zählungen aus dem Frühjahr 2017 leben im Süden der USA derzeit gut 6.600 der Tiere – sowohl an der Golfküste als auch der Ostküste umfassen die Populationen mehr als 2.500 Exemplare. "Momentan sind die Bestandszahlen hoch. Die Lebensdauer von erwachsenen Manatis ist in Ordnung, und es gibt in Florida genügend Lebensraum für den wachsenden Bestand", sagte Michael C. Runge, Ökologe und Mitautor des Berichtes.

In ihrer Simulation berücksichtigen die Forscher weitere Bedrohungen: Dazu zählen der Verlust von Lebensraum und das Abkühlen der Gewässer. Unbewusst hatte der Mensch den Seekühen zuletzt das Leben sogar leichter gemacht: In Südflorida leiten Kraftwerke ihr verbrauchtes und erwärmtes Kühlwasser in die Flüsse und Küstengewässer, die sich dadurch aufwärmen, was eher zur Erholung des Manati-Bestandes beigetragen hat. Allerdings sollen einige der Kraftwerke in den kommenden 40 bis 50 Jahren abgeschaltet werden: Da Seekühe keine isolierende Fettschicht am Körper haben, können Wassertemperaturen von unter 21 Grad Celsius für sie tödlich sein. Die Experten erwarten jedoch, dass die Tiere, sollte das Wasser deutlich kälter werden, in Richtung Norden abwandern, ohne dass die Gesamtzahl stark sinkt.

Warmes Wasser – für Seekühe lebenswichtig

Eine weitere Gefahr sind Algenblüten, die an der Golfküste vor allem im Sommer vorkommen. Durch sie sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser und manche Algenarten können toxische Substanzen produzieren, die für Meeresbewohner tödlich sind. Angesichts der globalen Erwärmung von Gewässern werden solche Algenblüten häufiger.

Trotzdem erwarten die Zoologen, dass sich der Bestand in den nächsten 50 Jahren verdoppeln und schließlich auf diesem Niveau einpendeln wird. Auch deshalb hatten US-Behörden den Gefährdungsstatus der Karibik-Seekühe im März auch für die Unterart aus Florida heruntergestuft.

Heißt das, die Seekühe sind dauerhaft in Sicherheit? Um das zu testen, haben die Wissenschaftler auch den Worst Case simuliert. Mit überraschend positivem Ergebnis: "Wir haben verschiedene Möglichkeiten betrachtet und keine Kombinationen gefunden, die den Bestand mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als neun Prozent auf unter 500 Manatis reduzieren würde", sagte Runge.