Für Forscher ist es ein unerklärliches Rätsel, für Klimawandelskeptiker der Beweis, dass die Erderwärmung eine Lüge ist: Von 1998 bis 2012 scheint der globale Klimawandel für 15 Jahre Pause gemacht zu haben. Die Temperaturen an der Erdoberfläche stiegen in dieser Zeit je nach Messreihe gar nicht oder kaum an, obwohl Modelle einen deutlichen Anstieg vorausgesagt hatten. Für manche Politiker, aber auch Wissenschaftler war klar: Klimamodelle hatten versagt. Das Ausmaß des Klimawandels? Gnadenlos überschätzt. Einige leugneten sogar, dass der Klimawandel überhaupt existiert oder zumindest, dass der Mensch daran schuld sein soll.

Dem steht aber der Trend der vergangenen drei Jahre entgegen: 2016 war das dritte Jahr in Folge, das den globalen Temperaturrekord seit Beginn der Aufzeichnungen 1880 gebrochen hat. Wer hat nun recht?

Wie real der Klimawandel ist, beweist nun eine Forschergruppe aus der Schweiz mit einer in Nature veröffentlichten Studie (Medhaug et al., 2017). Die scheinbare Klimawandelpause ist demnach nicht auf falsche Modelle zurückzuführen oder darauf, dass Wissenschaftler das Klima nicht verstanden haben. Stattdessen seien in den Modelluntersuchungen andere Daten analysiert worden als in den Studien, die sich später mit den tatsächlichen Messdaten befassten.

Die Autoren schreiben etwa, dass für die tatsächlichen Messdaten Lufttemperaturen und Oberflächentemperaturen der Ozeane zusammengenommen wurden. Die Modelle berücksichtigten aber in der Regel nur Lufttemperaturen. Klimafaktoren wie Feinstaub aus Vulkanausbrüchen oder die Sonnenaktivität wurden meist gar nicht einkalkuliert. Ein weiteres Problem bei älteren Modellen war, dass sie manche Weltregionen durch Messreihen nur gering abdeckten.

Und eine ganz grundlegende Frage kommt noch dazu: Wie definiert man überhaupt eine Unterbrechung des Klimawandels? Eine Definition besagt zum Beispiel, dass in den Jahren zwischen 1998 und 2012 die durchschnittliche weltweite Lufttemperatur an der Oberfläche gesunken, nicht oder nur sehr leicht gestiegen ist. In kürzeren Zeitfenstern komme das schon mal vor, aber nicht über längere Zeit, schreiben die Forscher. Die Wissenschaftler James Risbey und Stephan Lewandowsky unterstreichen das in einem Kommentar, der ebenfalls in Nature erschienen ist. In Perioden, die länger andauern als 16 Jahre, sei keine Unterbrechung der Erderwärmung erkennbar (Nature: Risbey & Lewandowsky, 2017).