Wegen Umweltkatastrophen müssen jährlich mehr als doppelt sie viele Menschen aus ihrer Heimat fliehen wie vor Krieg und Gewalt. 2015 wurden etwa 20 Millionen Menschen von Stürmen, Dürren und Überschwemmungen vertrieben, wie aus einer Studie der Universität Hamburg hervorgeht, die der ZEIT vorliegt. Die Untersuchung war von der Umweltschutzorganisation Greenpeace beauftragt worden.

"Die Tragweite des Problems wird unterschätzt", sagte der Wirtschaftswissenschaftler und Autor der Studie, Cord Jakobeit, in der ZEIT. Klima sei ein Risikomultiplikator, der die Lebensgrundlagen von immer mehr Menschen gefährde.

Greenpeace-Geschäftsführerin Sweelin Heuss sieht in der Studie ein weiteres Argument für den Klimaschutz. Der bedeute auch Schutz vor Vertreibung. Millionen menschlicher Tragödien könnten verhindert werden.

Von Trockenheit bedroht sind derzeit etwa Gebiete in Ostafrika. Millionen Menschen leiden in Ländern wie Äthiopien, Südsudan, Uganda, Kenia und Somalia wegen einer anhaltenden Dürreperiode an Hunger. Auch in Südafrika ist eine Dürre ausgebrochen: Die Regierung von Westkap, einer bei Touristen beliebten Provinz von Kapstadt, rief eine Dürrekatastrophe aus. Es sei die schlimmste Dürre seit mehr als hundert Jahren. Die Bewohner sollen ihren Wasserverbrauch drastisch reduzieren.

Besonders verheerende Überschwemmungen hatte es zuletzt Anfang April etwa in Kolumbien gegeben. Mehr als 200 Menschen starben.

Nötig sei eine "postfossile Wirtschaft und Gesellschaft"

In der Studie heißt es, dass Technik bei der Bewältigung der Klimafolgen helfen könne. Dauerhaft verhindern ließen sich die Flüchtlingsbewegungen aber nur durch eine "große Transformation zu einer postfossilen Wirtschaft und Gesellschaft".

Eine solche Transformation könnte zudem zu mehr Wachstum führen. Eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) kommt zu dem Ergebnis, dass sich Investitionen in den Klimaschutz wirtschaftlich auszahlen. Wenn Staaten beispielsweise erneuerbare Energien, Leitungsnetze oder umweltfreundlichen Verkehr förderten, sei das Wachstum mittel- und langfristig höher als ohne zusätzliche Klimainvestitionen.