Tierschutz - Frankreich verbietet Delfinzucht Meeressäuger dürfen in Frankreich künftig nicht mehr in Gefangenschaft leben. Mittelfristig könnten dadurch auch die umstrittenen Shows in Delfinarien wegfallen. © Foto: Toshifumi Kitamura/AFP/Getty Images

Frankreich hat die Nachzucht von Delfinen und Orcas in Gefangenschaft verboten. Ein am Samstag veröffentlichtes Gesetz untersagt die Haltung von Meeressäugern. Ausgenommen sind lediglich diejenigen Tiere, die bei Inkrafttreten des Erlasses bereits in Gefangenschaft lebten. Tierschutzorganisationen begrüßten das Gesetz als "historischen Vorstoß".

Ein am Mittwoch vorgestellter erster Entwurf des Gesetzes hatte lediglich eine "strikte Kontrolle der Nachzucht von Delfinen" abhängig von Größe und Form der Becken vorgesehen, in denen die Tiere gehalten werden. Nachdem sie erfahren habe, dass die Meeressäuger teilweise sogar "unter Drogen gesetzt" würden, habe Umweltministerin Ségolène Royal jedoch "noch radikaler sein" wollen, hieß es aus ihrem Ministerium.

Das neue Gesetz schreibt außerdem vor, dass die Becken von Orcas und Delfinen um mindestens 150 Prozent vergrößert werden müssen, damit die Tiere mehr Abstand zu Besuchern und Artgenossen haben. Direkter Kontakt zwischen den Meeressäugern und Besuchern ist künftig verboten. Das Wasser in den Becken darf zudem nicht mehr mit Chlor behandelt werden.

In einer gemeinsamen Erklärung teilten Tier- und Meeresschutzorganisationen wie Sea Shepherd und One Voice mit, dass der Erlass "das programmierte Aus der Meeresshows" in Frankreich bedeute. Der Chef des Freizeitparks Marineland in Antibes sprach dagegen in einem Zeitungsinterview nur von einer "Breitseite" gegen solche Einrichtungen.

Psychopharmaka in deutschen Delfinarien

In einer von dem Fachmagazin Plos One veröffentlichten US-Studie heißt es, dass Delfine in freier Wildbahn häufiger krank seien als Artgenossen in Gefangenschaft. Das Hagener Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) weist jedoch darauf hin, dass Delfine in Delfinarien regelmäßig mit Medikamenten am Leben erhalten würden und die Studie daher nicht repräsentativ vergleichbar sei. "Es ist davon auszugehen, dass sämtliche Delfine in Gefangenschaft nur durch Medikamente überleben", sagte  WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller.

Das WDSF hatte im Delfinarium des Zoo Duisburg in einem fünfjährigen Zeitraum aufgrund von gerichtlich erwirkten Akteneinsichten festgestellt, dass mehr als 20 Medikamente und Präparate zur Anwendung kamen. Ebenso wurden im Nürnberger Delfinarium mehr als 30 Medikamente nachgewiesen, die den Delfinen über einen mehrjährigen Zeitraum verabreicht wurden. Am häufigsten wurden demnach Antibiotika eingesetzt. Fast allen Delfinen in Nürnberg und teilweise auch in Duisburg seien die Psychopharmaka Diazepam (Valium) und Serenin verabreicht worden.

"Aus Sicht des Tierschutzes ist eine dauerhafte Haltung von Tieren nicht verhaltensgerecht, wenn sie nur mit Einsatz von Medikamenten zur Beruhigung möglich ist", teilte das Landesinstitut für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mit. Diese Aussage zur Verwendung von Medikamenten bei Tieren in Zoos hatte auch die Bundesregierung im Jahr 2015 in einer Antwort auf eine Fraktionsanfrage getroffen.