Das Gewehr im Anschlag durchstreifen Ranger die Savannen Afrikas. Sie begleiten Elefantenherden und Nashörner in Teams, stimmen jede Bewegung über Funk ab, haben bestenfalls eine Hundestaffel an ihrer Seite. Ihr Ziel: Eindringlinge fangen, die aus reiner Geldgier Jagd auf die bedrohten Tiere machen.

Meistens aber sind sie zu spät. Sie finden bloß die Opfer, die ihrer Stoßzähne und Hörner bereits brutal beraubt wurden. Nicht die Täter. Denn Wilderer sind den Schutztruppen seit Jahren an Willen, Geld und Ausrüstung überlegen.

Ein neues Überwachungssystem soll das ändern, das Domain Awareness System. Finanziert und mitentwickelt hat es Microsoft-Mitgründer Paul Allen. Die grundsätzliche Idee: Die Bewegung von bedrohten Tieren in Echtzeit beobachten, um Wilderer zu stellen – oder noch besser vor der Tat zu schnappen. Die Schwierigkeit: Das System ist komplex, die Umsetzung kostspielig. Und bisher konnte es noch keine Technologie mit Wilderern aufnehmen.

Ein Drittel weniger Elefanten in einem Jahrzehnt

Entsprechend erschreckend fällt die Zwischenbilanz am heutigen Tag der biologischen Vielfalt aus: Zwischen 470.000 und 690.000 Elefanten gibt es laut der Umweltschutzorganisation WWF noch auf dem afrikanischen Kontinent. Darunter zählten Forscher rund 350.000 Savannenelefanten im Jahr 2016, 30 Prozent weniger als 2007 (PeerJ: Chase et al., 2016). Noch bedrohter sind Nashörner. Zählungen zufolge wandern um die 25.000 bis 30.000 dieser Tiere über den Kontinent; Spitzmaulnashörner sind dabei deutlich in der Unterzahl. 

Verbreitung Afrikanischer Elefanten

Elefanten zu zählen, ist aufwendig und fehleranfällig. Daher schwanken Schätzungen zwischen 470.000 und 690.000 Tieren in Afrika. (Zahlen gerundet)

Quelle: WWF Deutschland 11/2016 basierend auf African Elephant Database und African Elephant Status Report 2016, IUCN SSC African Elephant Specialist Group

Wilderer sind ihre größte Bedrohung. Sie schlachten jährlich um die 20.000 Elefanten und etwa 1.000 Nashörner, weil Stoßzähne und Hörner auf dem Schwarzmarkt Milliarden einbringen. Nicht selten leben die angeschossenen Tiere noch, wenn ihnen diese mit der Axt, Machete oder Säge abgeschlagen oder herausgesägt werden. Statt sie vom Leid zu erlösen, lassen Wilderer sie oft einfach ausbluten und verenden.

"Während Sie dies lesen, haben Wilderer wahrscheinlich schon den nächsten afrikanischen Elefanten für seine Stoßzähne getötet", macht Paul Allen in einem Blog deutlich. Denn durchschnittlich erlegen die kriminellen Jäger rund zwei Tiere pro Stunde. Jeden Tag sterben zwei bis drei Nashörner. Und das ist noch konservativ gerechnet. Trotz internationaler Artenschutzabkommen (siehe Infokasten), die den Handel mit Elfenbein und Nashorn-Horn untersagen, ist es noch immer ein Geschäft mit geringen Strafen und hohen Gewinnen – eine tödliche Kombination.

Der Microsoft-Mitgründer kämpft seit Jahren dafür, "eines der edelsten und intelligentesten Tiere der Erde zu retten", wie er schreibt. Sein letztes großes Projekt war der Great Elephant Census, die erste panafrikanische Zählung von Savannenelefanten. Sie zeigte 2016, dass die Zahl der Dickhäuter nicht nur in ungeschützten, sondern auch geschützten Gebieten im letzten Jahrzehnt gesunken ist – obwohl zahlreiche Nationalparks deutlich aufgerüstet haben. Die Gebiete sind weitläufig, die Tiere ständig in Bewegung. Es brauche totale Überwachung, findet Allen. Die neue Software soll sie ermöglichen.