Für Verbraucher sind große Mengen Nitrat im Grundwasser mitunter nicht nur gesundheitsschädlich – sie beeinflussen auch die Trinkwasserpreise. Wenn die Nitratwerte nicht bald sinken, müssten Wasserversorger zu teuren Aufbereitungsmethoden greifen, teilte das Umweltbundesamt mit. Die Behörde hat in einer Studie ermittelt, dass dadurch die Preise für Trinkwasser deutlich steigen könnten, und zwar um 32 bis 45 Prozent (Oelmann et al., 2017). Auf eine vierköpfige Familie kämen dann Mehrkosten von bis zu 134 Euro im Jahr hinzu. Pro Kubikmeter könnte Trinkwasser um 55 bis 76 Cent teurer werden.

In gut einem Viertel (27 Prozent) der untersuchten Grundwasservorkommen werde derzeit der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter überstiegen, hieß es in der Studie. Besonders in Gebieten mit landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen sei das Grundwasser häufig durch zu viel Stickstoff belastet. Grund sei das Düngen von Feldern mit Gülle und Mist aus der intensiven Tierhaltung oder das Verwenden von Mineraldünger etwa für den Obst- und Gemüseanbau. Wegen der hohen Nitratbelastung war Deutschland bereits von der EU im vergangenen November verklagt worden.

Greenpeace will Verschärfung der Düngegesetze

Umweltverbände forderten als Reaktion auf die Studie strengere Regelungen. "Die Konsequenz aus diesen Warnungen sollte lauten: weniger Billigfleisch produzieren, die Düngegesetze deutlich verschärfen und wirksam kontrollieren", sagte Greenpeace-Landwirtschaftsexpertin Christiane Huxdorff einer Mitteilung zufolge. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sprach sich für Maßnahmen aus. Es sei inakzeptabel, dass die Wasserwerke und letztlich die Verbraucher Hunderte Millionen Kosten tragen müssten, weil die Gewässer in Deutschland mit Düngemitteln belastet seien, sagte Verbandschef Hubert Weiger.

Der Bundestag hatte bereits im Frühjahr auf die hohe Nitratbelastung reagiert und das Düngerecht verschärft. Umweltschützer halten das aber nicht für ausreichend. Die Präsidentin des Umweltbundesamts, Maria Krautzberger, sagte, dass mit den Neuregelungen in der Düngeverordnung lange überfällige Schritte eingeleitet worden seien. Sie würden die Belastungen hoffentlich so weit senken, dass Trinkwasserkunden die teure Aufbereitung vielleicht noch erspart bleibe. Ansonsten "müssten weitere und strengere Auflagen für die Landwirtschaft erfolgen". Anfang des Jahres hatte auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) vor steigenden Wasserpreisen gewarnt.