"Krebserregend" – diese Warnung wird in Kalifornien künftig auf den Verpackungen von Glyphosat zu lesen sein, dem am weitest verbreiteten Unkrautvernichter der Welt. Wie die im US-Bundesstaat zuständige Behörde für Gesundheit und Umwelt am Montag mitgeteilt hat, steht es ab dem 7. Juli offiziell auf der Liste mit Chemikalien, die krebserregend sein können. Das Mittel wird unter anderem von Landwirten, auf Golfplätzen und in Weingebieten eingesetzt.

Grundlage für die Entscheidung ist unter anderem eine Untersuchung der Internationalen Krebsagentur IARC. Diese war zuletzt 2015 zu dem Ergebnis gekommen, dass die Chemikalie "wahrscheinlich krebserregend" sei – und hatte sie entsprechend in die wenig aussagekräftige Kategorie 2A ihres Bewertungssystems aufgenommen; in der Kategeorie steht beispielsweise auch rotes Fleisch. Weil die IARC bloß grundsätzlich untersucht, ob ein Stoff beim Menschen Krebs erregen kann – unabhängig von Dosis und Ausmaß – geriet die Bewertung rasch in die Kritik. "Wahrscheinlich krebserzeugend" heißt nicht, dass ein Wirkungszusammenhang gewiss ist.

Mit dem Urteil hatten sich die Forscher zudem gegen die Gutachter einer deutschen Behörde und gegen die Agrarindustrie gestellt, die kein erhöhtes Risiko für die Gesundheit des Menschen sahen. Ebenso war im März diesen Jahres die EU-Chemikalienagentur ECHA zu dem Schluss gekommen, das Mittel als nicht krebserregend einzustufen. Auch weise es keine mutagenen, fortpflanzungsschädigenden oder genotoxischen Eigenschaften auf, hieß es weiter. Glyphosat könne allerdings zu schweren Augenverletzungen führen, auch sei es giftig für Tiere und Pflanzen, die in Gewässern leben.

Der Streit darüber, wie aussagekräftig welche Studien sind, inwiefern Gremien wirklich unabhängig geurteilt haben, ob Monsanto Einfluss auf Forscher genommen hat und welches Gesundheitsrisiko nun tatsächlich von Glyphosat ausgeht, dauert an. Lange Zeit wurde die Debatte emotional und wenig objektiv geführt

In Europa steht derweil die endgültige Entscheidung aus, ob Glyphosat künftig weiter zugelassen wird. Zuletzt hatte die EU-Kommission die Zulassung im Juni 2016 um bis zu 18 Monate verlängert

Alle Hintergründe zum Streit um die verlängerte Zulassung des Mittels lesen Sie hier.

Der Beschluss der kalifornischen Behörde kommt für Monsanto ungelegen. Der deutsche Bayer-Konzern übernimmt das Unternehmen derzeit für 66 Milliarden Dollar. Kritiker der Transaktion befürchten ein Imageproblem für Bayer. Denn Monsanto sieht sich wegen Glyphosat immer neuen Klagen ausgesetzt. Der US-Konzern will gegen die Entscheidung in Kalifornien vorgehen und nannte sie "ungerechtfertigt auf der Basis von Wissenschaft und Gesetz". Die bisherigen Klagen waren jedoch erfolglos.

Durch die Maßnahme in Kalifornien könnten Monsanto und andere Firmen, die solche Unkrautvernichter herstellen, dort gezwungen werden, Warnungen auf die Produktverpackungen zu kleben. Das Mittel wird unter anderem von Landwirten, auf Golfplätzen und in Weingebieten eingesetzt.