431.644-mal. So oft ist in Deutschland im letzten Jahr der Blitz eingeschlagen. Und das ist noch wenig im Vergleich mit den Vorjahren. Es ist der niedrigste Wert seit 1999, als noch 550.000 Einschläge verzeichnet wurden.   

In Deutschland sind es private Anbieter, die registrieren, orten und katalogisieren, wo der Blitz einschlägt. Wetterdienste, Stromversorger, aber auch Veranstalter von Konzerten oder Festivals nutzen diese Daten – und den daraus entstehenden Blitzatlas –, um vor Einschlägen zu warnen und Blitzschäden zu orten. Der Deutsche Wetterdienst zum Beispiel bezieht seine Daten von der Firma Nowcast in München.

Ein weiterer Anbieter ist der Blitzinformationsdienst BLIDS der Firma Siemens in Karlsruhe, der in Europa rund 160 Messstationen betreibt. Jetzt gab BLIDS die Zahlen für 2016 bekannt. Mit modernen Geräten können Blitzeinschläge heute bis auf rund 200 Meter genau geortet werden.

Warum Wesel?

Demnach schlugen im vergangenen Jahr die meisten Blitze im Landkreis Wesel in Nordrhein-Westfalen ein – eine Region, in der es normalerweise wenig blitzt. Im Jahr 2016 registrierte BLIDS dort 4,1 Blitzeinschläge pro Quadratkilometer. Auf Platz zwei kam Aschaffenburg in Bayern, auf dem dritten Platz landete – unweit von Wesel – Borken (Nordrhein-Westfalen). Am seltensten traf es Flensburg, Fürth und Frankfurt/Oder.

Diese Verteilung ist eher zufällig – ein bestimmter meteorologischer Trend lässt sich für die Regionen daraus zunächst nicht ableiten. Wesel sei ein Überraschungssieger. Dass der Landkreis in diesem Jahr der blitzreichste ist, "lag an wenigen, dafür aber sehr heftigen Gewittern im Mai und Juni", sagte Stephan Thern, Leiter des BLIDS. Die besonders niedrige Gesamtzahl an Blitzen erklärt Thern damit, dass es im August 2016 ungewöhnlich wenige Gewitter gab – dem Monat, in dem es sonst am häufigsten blitzt und donnert.

Unter den Bundesländern belegte Hamburg den ersten Platz in der Statistik – mit 1,7 Blitzeinschlägen pro Quadratkilometer. Grund waren auch hier wenige, dafür umso intensivere Gewitter. Im Langzeitvergleich von 1999 bis 2016 liegen weiterhin die bayerischen Landkreise Garmisch-Partenkirchen mit 4,2 und das Berchtesgadener Land mit 3,8 Blitzeinschlägen pro Quadratkilometer vorn. Tendenziell gibt es in den südlichen Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg besonders viele Blitzeinschläge.

Blitzschaden vorgaukeln? Klappt nicht

Solche Daten sind vor allem für Energieversorger und Versicherungen wichtig: Sie wollen schnell feststellen, ob ein Schaden an einer Leitung von einem Blitz stammt. Versicherer prüfen anhand der Informationen, ob es zu von Versicherten gemeldeten Blitzschäden auch tatsächlich einen Blitz gab.