Die Top-Wirtschaftsmächte tun nach Ansicht von Umweltaktivisten viel zu wenig, um die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu erfüllen. Trotz höherer Investitionen in grüne Technologien drohten die Industrieländer und aufstrebenden Wirtschaftsnationen (G20), das Ziel einer Erderwärmung von deutlich unter zwei Grad "weit zu verfehlen". Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der Umweltorganisation Climate Transparency, der wenige Tage vor dem G20-Gipfel in Hamburg veröffentlicht wurde. Das internationale Netzwerk bemängelt eine viel zu zögerliche Abkehr von der Kohle und eine unzureichende Klimapolitik in den einzelnen Ländern.

Die G20-Länder sind für 75 Prozent der weltweiten Emissionen an Treibhausgasen verantwortlich. Bei dem gegenwärtigen Trend, heißt es im Fazit des Berichts, würde die Erderwärmung auf drei bis vier Grad steigen. "Die Konsequenzen wären dramatisch." Die derzeitigen Bemühungen seien "weder hinreichend in der Geschwindigkeit noch in der Tiefe", um die Erderwärmung in den Grenzen zu halten, die das Pariser Abkommen vorgibt. Die Emissionen müssten dafür ihren Höhepunkt schon bis 2020 erreichen und danach schnell sinken.

Erneuerbare Energien seien auf dem Vormarsch, aber Kohle und andere fossile Stoffe dominierten weiter den Energiemix. "Die Dekarbonisierung der Wirtschaft in den G20-Staaten hat begonnen", sagte der Co-Autor der Studie vom NewClimate Institute, Niklas Höhne. "Während die Energie- und die CO2-Intensität sinkt, wachsen jedoch Wirtschaft und Energieverbrauch." Deswegen sei zwar erstmals kaum noch ein Anstieg der Emissionen festzustellen, aber eben auch keine Verminderung der Treibhausgase.

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Zwar seien die G20-Länder in der internationalen Klimapolitik aktiv, hinkten aber bei der Umsetzung daheim weit hinterher. Pläne in der Mehrheit der G20-Staaten seien nicht ehrgeizig genug, um die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad zu bekommen, geschweige denn auf 1,5 Grad zu begrenzen, warnt das Netzwerk. Kein G20-Staat sei auf dem richtigen Weg, damit diese Ziele erreicht werden könnten. Trotz wiederholter Ankündigungen, aus den Subventionen für fossile Energien aussteigen zu wollen, seien 2014 noch über 230 Milliarden US-Dollar an Unterstützung in Kohle, Öl und Gas geflossen.

Joe Raedle/Getty Images
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Die Erderwärmung bedroht die Welt, aber wie genau? Wir erklären Wetter, Klima und warum der Wandel so gefährlich ist.

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Ban Ki Moon, UN-Generalsekretär

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sagt, warum das ein Problem ist:

"Der Klimawandel ist eine Bedrohung für das Leben und unsere Existenz."

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Das Wetter

… ist der Zustand der Atmosphäre zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort.

Was ist Wetter, was Klima?

Das Klima

... ist das durchschnittliche Wetter über einen längeren Zeitraum hinweg betrachtet, etwa 30 Jahre.

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Leider nein: Viele Schäden sind nicht mehr zu ändern. Die Erde erwärmt sich in jedem Fall. Auch die 2°C Erwärmung beeinträchtigen Ökosysteme auf der ganzen Welt stark und bedrohen damit auch die Lebensgrundlage von Millionen Menschen. Es lässt sich allein das Ausmaß der Katastrophe eingrenzen.

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Stimmt. Viele Forscher sind sicher, dass es einen Zusammenhang gibt. Europa soll aber nicht so stark betroffen sein wie andere Kontinente der Erde.

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Deutschland ohne Plan zum Kohleausstieg

Die Autoren der Studie fordern, dass die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer ihre Abhängigkeit von fossilen Energien schneller beenden muss, was auch für die Bundesrepublik gelte. "Deutschland schneidet aufgrund des seit 2010 nahezu gleichbleibend hohen Kohleverbrauchs in der Kategorie Pro-Kopf-Emissionen relativ schlecht ab", kritisiert Jan Burck von Germanwatch, Co-Autor der Studie. Anders als beispielsweise Großbritannien habe Deutschland auch noch keinen Kohleausstiegsplan vorgelegt. Die Treibhausgasemissionen pro Energieeinheit lägen trotz eines überdurchschnittlichen Anteils erneuerbarer Energien in Deutschland "nur knapp unter dem G20-Durchschnitt".

Sorgen bereitet den Klimaschützern die Energiepolitik der USA als zweitgrößten Treibhausgasproduzenten. Unlängst hatte US-Präsident Donald Trump den Ausstieg seines Landes aus dem Pariser Klimaabkommen und generell eine Abkehr von klimapolitischen Maßnahmen angekündigt. Die Pro-Paris-Haltung vieler US-Bundesstaaten, Städte und Unternehmen nähren aber "die Hoffnung, dass die USA dennoch ihren Teil zum Klimaschutz beitragen werden", sagte Studienautor Burck, der zusammen mit seinen Kollegen deutlich bessere Noten an den größten Klimasünder China verteilt. Demnach kommt die Volksrepublik mit dem Ausbau erneuerbarer Energien gut voran. Zudem dürfte das Land den Höhepunkt seiner Emissionen schon früher als 2030 erreicht haben.