In der Antarktis hat sich vom Larsen-C-Schelfeis ein Eisberg gelöst, der mit 175 Kilometern Länge und einer Breite von bis zu 50 Kilometern fast sieben Mal so groß wie Berlin ist. Er treibe nun nach Norden und werde wohl zwei, drei Jahre brauchen, bis er geschmolzen ist, teilte das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung mit. Das Schelfeis auf einer Halbinsel im Nordwesten der Antarktis ist um eine Fläche von rund 5.800 Quadratkilometern geschrumpft.

Auch Wissenschaftler des britischen Forschungsprojekts MIDAS bestätigten auf ihrem Blog, dass der Eisberg mit einem Gewicht von mehr als einer Billion Tonnen abgebrochen ist. Satellitenbilder der NASA hatten den Vorgang dokumentiert.

Den Riss im Eis beobachteten Wissenschaftler seit 2011. Der Spalt war immer schneller gewachsen, bis auf eine Länge von fast 200 Kilometern. Adrian Luckman, der Leiter des MIDAS-Projekts, sagte, man habe daher seit Monaten erwartet, dass der Eisberg abbreche. Er sei überrascht gewesen, wie lange der Riss für die letzten Kilometer doch noch gebraucht habe.

Antarktis - Riesen-Eisberg löst sich Eines der größten jemals verzeichneten Eisstücke ist von der Antarktis abgebrochen. © Foto: Handout/Reuters

Grundsätzlich sind solche Vorkommnisse nicht untypisch oder besorgniserregend. Der Glaziologe und MIDAS-Mitarbeiter Martin O'Leary bezeichnete das Ereignis als einen "natürlichen Vorgang", eine direkte Verbindung zum Klimawandel sei nicht gegeben. Allerdings sei das Schelfeis durch den Verlust einer so großen Fläche verletzlicher geworden. Es stehe unter Spannung und könne, wenn an einer Schlüsselstelle Eis abbreche, zerfallen. Das Larsen-C-Schelfeis misst am Übergang von Festland zu Eis 700 Meter.

Auf den Meerwasserspiegel wird sich der neue Eisberg nicht unmittelbar auswirken. Er verdrängt – wie Eiswürfel in einem Glas – die gleiche Menge Wasser in flüssiger wie in gefrorener Form. Anders wäre es, wenn Gletschereis von Landmassen geschmolzen und ins Meer geflossen wäre.

"Wie weit der Eisberg treiben wird, hängt unter anderem von der Bodentopographie ab", sagte der Klimadynamiker Thomas Rackow vom Alfred-Wegener-Institut dem Science Media Center. "Er könnte als ganzer Eisberg erhalten bleiben oder schnell in viele kleinere Stücke zerfallen." Im ersten Fall stünden die Chancen gut, dass er zunächst für etwa ein Jahr entlang der Antarktischen Halbinsel durch das Weddell-Meer treiben wird. "Dann dürfte er Kurs Richtung Nordosten nehmen", sagte Rackow weiter. Das heißt, er würde in etwa Südgeorgien oder die Süd-Sandwich-Inseln ansteuern und dort verstärkt schmelzen.

Vielleicht ist das Stück, das sich vom Schelfeis gelöst hat, aber auch in weitere kleinere Eisberge zerbrochen. Die Wissenschaftler hatten neben dem großen Spalt im Eis auch mehrere kleinere Risse beobachtet. So gesehen ist es ungewiss, ob nun ein gigantischer Eisberg im Südpolarmeer treibt. Und auch, wie es mit dem Larsen-C-Schelfeis weitergeht, ist nicht klar. Adrian Luckman vermutet, dass das Eis wenigstens auf einen Teil seiner ursprünglichen Größe anwachsen werde.