Coffee to go verursacht Müll. Wie viel genau, weiß zwar niemand. Trotzdem haben zahlreiche Städte und Startups den Wegwerfbechern den Kampf angesagt. Funktionieren solche Pfandsysteme? Und sind Mehrwegbecher aus Plastik wirklich besser für die Umwelt?

Im Berliner Café MadaMe gibt es seit neuestem gar keine Wegwerfbecher mehr. Die Betreiberin Karin Lücker-Aleman hat sich für die radikale Umstellung entschieden. Sie macht mit bei der Aktion Recup: Wer bei ihr einen Kaffee zum Mitnehmen bestellt, bekommt den im mintgrünen oder braunen Becher aus recyceltem Kunststoff. Der kostet einen Euro Pfand und kann wieder abgegeben werden, auch ungespült. Und zwar nicht nur im MadaMe sondern auch in 50 anderen Berliner Cafés und Geschäften, die an der Recup-Aktion teilnehmen. Die meisten bieten Mehrweg- und Einwegbecher nun parallel an. Dahinter steckt ein neu gegründetes Unternehmen, das mittlerweile auch in München, Oldenburg und anderen Städten Café-Besitzer überzeugt hat. Dies ist nur eines von vielen Pfandsystemen, die derzeit ausprobiert werden, darunter Cup For Cup, Just Swap It und stadteigene Projekte wie FreiburgCup oder Hannoccino in Hannover.

Warum werden Pappbecher nicht recycelt?

Sie alle treffen den Nerv der Zeit. Nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes wird nämlich jede vierte Tasse Kaffee außer Haus getrunken. Bei einem Pro-Kopf-Verbrauch von 162 Litern würde das rund 40 Litern Kaffee pro Jahr entsprechen, die jede Person außer Haus trinkt. Viele davon gehen in Einwegbechern über den Tresen. Der Deutsche Kaffeeverband ließ für 2016 erheben, dass der Konsum von Coffee to go 1,5 Prozent des deutschen Gesamtverbrauchs von Kaffee ausmacht. Das entspricht rund 2,4 Litern Kaffee durchschnittlich pro Jahr pro Kopf. Da die Becher meist aussehen, als seien sie aus reiner Pappe – und zudem oft draufsteht, sie seien verwertbar – denken viele Kaffeetrinker, die Becher würden im Altpapier landen und wiederverwertet. Doch das stimmt nicht.

Die meisten Becher sehen nur aus, als seien sie zu 100 Prozent aus Pappe, sind auf der Innenseite aber mit einer feinen Plastikschicht überzogen. Zwar macht das nur fünf Prozent des Materials aus – doch das reicht für ein gewaltiges Entsorgungsdilemma. Diese Papp-Plastik-Mischung sei "praktisch nicht recyclebar", bestätigt ein Sprecher der Berliner Stadtreinigung. Außerdem landeten die Becher unterwegs fast immer in Straßenmülleimern, deren Inhalt ohnehin untrennbar sei. Was vom Coffee to go übrig bleibt, endet also nicht in der Recycling-, sondern in der Verbrennungsanlage. In anderen Städten läuft es ähnlich.

Kann Plastik umweltfreundlicher sein?

Eine wiederverwertbare Alternative ist zunächst also eine gute Idee. Doch sind die bisherigen Projekte allesamt noch nicht ausgereift.

Zunächst ist da das Material der Mehrwegbecher: Fast immer sind sie ganz oder zum Teil aus Kunststoff. Zwar gibt es auch Varianten aus Naturstoffen wie Bambus, aber der Deckel besteht dann trotzdem aus Silikon oder ist ein üblicher nur einmal verwendbarer Plastikdeckel. Andere sind komplett aus Polypropylen gefertigt, wie viele Lebensmittelverpackungen. Dieser Kunststoff hat sich als gesundheitlich unbedenklich erwiesen, ist hitzebeständig und langlebig: ideal also für einen Kaffeebecher.

Kaffee - Kampf dem Wegwerfbecher 170 Millionen Einwegbecher werden pro Jahr allein in Berlin weggeworfen. Ein Start-up testet ein Becherpfandsystem. Doch es ist schwer, Gewohnheiten zu ändern. © Foto: Zeit Online