Über den gelben Sack entsorgt, ist Polypropylen gut recyclebar. Achtlos in die Umwelt geworfen, verrottet es dagegen nicht. Das Material zersetzt sich allenfalls, wenn UV-Strahlung auf es einwirkt und im Kontakt mit Luft und Wasser – aber auch nur in kleinere nichtabbaubare Partikel.

Angenommen, niemand wirft seinen Mehrwegbecher in die Natur, bleibt die Frage, was es an Energie kostet, ihn immer wieder zu reinigen. Und wie oft muss man ihn benutzen, damit sich die Herstellung lohnt?

Mehrweg lohnt sich nach zwei Monaten

So einen Becher einmal zu kaufen und dann nie wieder zu verwenden, bringt jedenfalls nichts. Melanie Speck vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie hat das mit Kollegen durchgerechnet. "Würden Sie jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit einen typischen Coffee-to-go-Becher kaufen und wegwerfen, lohnt sich der Mehrwegbecher nach spätestens zwei Monaten", sagt Speck. Ab dann sei es ökologischer, ihn aufzufüllen, statt einen weiteren Einwegbecher zu benutzen. Speck ist dabei allerdings von der Produktion eines hochwertigen Mehrwegbechers aus Kunststoff und Edelstahl ausgegangen.

Fraglich ist auch, ob sich das Pfandsystem durchsetzen kann. Recup beispielsweise hat rund 45.000 Becher deutschlandweit im Umlauf, die meisten in München und Berlin. Doch wie oft die Kaffeetrinker einen dieser Pfandbecher wählen, kann Mitgründer Florian Pachaly nicht sagen. In den meisten Geschäften gibt es die nicht exklusiv, sondern zusätzlich noch die alte Einwegvariante.

Die Stadt Freiburg hat schon erste Zahlen erhoben: Die Aktion FreiburgCup startete in 15 Geschäften, mittlerweile sind es 90. Der Anteil der in Pfandbechern verkauften Kaffees in den Uni-Cafeterien liege bei bis zu 32 Prozent. In den Bäckereien erreiche man Quoten von maximal zehn Prozent. Das sei nicht beeindruckend viel, gibt Dieter Bootz von der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg zu, doch er hofft, dass der Anteil noch steigen wird: "Jedes Mehrwegsystem braucht Zeit, um sich zu etablieren." Die Servicekräfte könnten viel zum Erfolg beitragen. Sie sollten Kunden auf die Pfandbecher aufmerksam machen.

Viele Becher kommen nicht zurück

"Oft lässt sich das nicht umsetzen, man will den Coffee to go ja schnell mitnehmen", sagt der Wirtschaftswissenschaftler Peter Kenning, Professor für Marketing an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Im Alltag eines Kaffeeladens sei kaum Zeit, um Kunden zum Pfandbecher zu raten.

In Freiburg, wo der Becher zwei Euro Pfand kostet, zeigt sich noch ein Problem. Der dortige Becher hat sich zu einem beliebten und günstigen Souvenir entwickelt. Die Becher, die aus der Stadt verschwinden, werden wohl kein zweites Mal in einem Freiburger Café aufgefüllt. Außerdem würden viele Leute ihren Becher "schlicht zuhause vergessen", sagt Peter Kenning. "Beim nächsten Kaffeekauf greifen sie dann wieder zum Wegwerfmodell, weil sie nicht noch mal Pfand ausgeben wollen."