Kein Mensch auf der Welt besitzt mehr Nashörner als John Hume. Fast 1.500 sollen es sein, die der private Züchter auf einer gigantischen Farm in Klerksdorp, Südafrika, hält. Um sie vor Wilderern zu schützen, lässt er ihnen die Hörner abnehmen – nach eigenen Angaben von Tierärzten und unter Betäubung. So haben sich über die Jahre um die sechs Tonnen davon in den Beständen des Millionärs angesammelt. Für Schmuggler wäre diese Menge wertvoller als Kokain oder Gold. Schätzungsweise zwischen 60.000 und 80.000 US-Dollar werden auf dem Schwarzmarkt für ein Kilo Hornpulver gezahlt.

Jetzt hat der Nashornzüchter vom örtlichen Umweltministerium die Genehmigung erhalten, 264 Hörner, also etwa eine halbe Tonne, aus seinen Lagerbeständen zu verkaufen. Am Mittwoch soll die Onlineauktion starten – es wäre die erste legale Versteigerung von Rhinozeroshörnern in Südafrika, seitdem das Land den Binnenhandel damit im Jahr 2009 gestoppt hatte.

Möglich gemacht hat die Versteigerung ein langer Rechtsstreit über mehrere Instanzen, der im April mit einem Urteil des Obersten Gerichtshofs Südafrikas zu Ende ging. Seither dürfen Besitzer von Rhinozeroshorn, das nicht aus der Wilderei stammt, dies unter bestimmten Umständen wieder verkaufen. Damit wurde das lokale Moratorium stark aufgeweicht. International ist der Horn-Handel seit 1977 durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) verboten.

John Hume ist nun der Erste, der die Genehmigungen dafür beim Umweltministerium eingeholt und eine Auktion im Netz angekündigt hat. Ursprünglich war die Versteigerung bereits für den 21. August geplant. Da allerdings die offiziellen Papiere wohl nicht rechtzeitig ausgestellt wurden, verschob sie sich um zwei Tage. Die Auktionswebsite wirbt auf Englisch, Chinesisch und Vietnamesisch. Kaufinteressenten müssen sich online registrieren und benötigen Genehmigungen der südafrikanischen Regierung. Für den 19. September ist dann in der südafrikanischen Provinz Gauteng eine Versteigerung von Hörnern aus Humes Beständen geplant.

Tierschützer weltweit kritisieren die Auktion. "Dieser Verkauf von Rhino-Horn ist unentschuldbar", sagte Robert Kless, Leiter des Internationalen Tierschutzfonds IFAW in Deutschland. "Es ist ein Verkauf, der lediglich der Gier eines einzelnen Mannes entspringt, Wilderern und Händlern illegaler Wildtierprodukte in die Hände spielt und die Tatsache ignoriert, dass über 7.000 Nashörner in weniger als zehn Jahren wegen ihrer Hörner grausam abgeschlachtet wurden," wird Kless in einer Pressemitteilung zitiert.

Ähnlich sieht es Daniela Freyer, Mitbegründerin der Organisation Pro Wildlife. "Wir befürchten, dass die geplante Auktion, auf der Rekordpreise für das Horn erzielt werden sollen, die Ausrottung der Nashörner vorantreibt", sagte die Biologin. Legal erworbenes und gewildertes Horn zu unterscheiden, sei in der Praxis unmöglich. Der Verkauf in Südafrika spiele vor allem Wilderern und kriminell organisierten Schmugglersyndikaten in die Hände. "Er unterminiert alle Bemühungen, die Nachfrage in den illegalen Absatzmärkten in Asien einzudämmen."

Die praktische Aufhebung des Moratoriums habe auch eine politische Dimension. Das örtliche Umweltministerium spiele ein zwielichtiges Spiel, sagte Freyer. "Formell setzt es sich vor Gericht für die Beibehaltung des 2009 erlassenen Moratoriums ein. Auf internationaler Ebene arbeitet Südafrikas Regierung jedoch seit langem für die Aufhebung des Handelsverbotes." Das habe sich auch auf der letzten CITES-Artenschutzkonferenz in Johannesburg gezeigt. Sämtliche NGO, die sich gegen die Wilderei und für einen stärkeren Schutz von Nashörnern stark machen, lehnen eine Legalisierung des Handels mit Hornprodukten und eine kommerzielle Zucht von Nashörnern zu diesem Zweck ab.

Hornverkauf zur Finanzierung von Artenschutz?

Der Züchter Hume argumentiert dagegen, dass er mit der Versteigerung den Schutz der bedrohten Tiere finanziere. Sein Unternehmen wende allein 170.000 US-Dollar im Monat auf, um die Tiere in den eigenen Reservaten vor Wilderern zu schützen, heißt es auf der Website des Züchters. Hinzu kämen Kosten für Veterinärmedizin, Futter und Gehälter von Angestellten. Seiner Ansicht nach diene der legale Handel mit dem Horn der Arterhaltung. Da die Nachfrage an dem Horn – insbesondere in Asien – in den letzten Jahren weiter gestiegen sei, bräuchte es Alternativen zur Wilderei, um diese zu decken. "Wenn ich kein Horn verkaufe, werden all meine Rhinos in zehn Jahren tot sein", sagte der Millionär Hume der japanischen Wirtschaftszeitung Nikkei. Darauf verwette er seinen letzten Dollar.