ZEIT ONLINE: Herr Latif, Sie sagten vor einiger Zeit: Solche Überschwemmungen, wie die USA sie jetzt erleben, könnten Donald Trump endlich davon überzeugen, dass der Klimawandel real ist. Für Sie steht also fest: Die Heftigkeit von Sturm Harvey ist eine direkte Folge der globalen Erwärmung?

Mojib Latif: Ich habe vor vielen Wochen gesagt, dass das bei Trump vielleicht das einzige Mittel sein könnte. Jetzt bin ich mir da nicht mehr sicher. Der amerikanische Präsident scheint beratungsresistent zu sein. Was die Heftigkeit des Sturms angeht, vor allem die der Regenfälle, passt Harvey schon ins Bild der Erderwärmung. In einer wärmeren Welt verdunstet mehr Wasser von den Ozeanen. Auch der Golf von Mexiko hat sich schon deutlich erwärmt. Das kann potenziell zu heftigeren Starkniederschlägen durch tropische Wirbelstürme wie Hurrikane führen.



ZEIT ONLINE: Obwohl Harvey von einem Hurrikan zu einem Tropensturm herabgestuft wurde, hatte er verheerende Auswirkungen mit enormen Überschwemmungen. Ist die Stärke eines Sturms also gar nicht so entscheidend?

Der Hamburger Mojib Latif ist Klimaforscher am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel (Geomar). Er leitet dort die Bereiche Ozeanzirkulation und Klimadynamik. © Arno Burgi/dpa

Latif: Ein Hurrikan hat Windgeschwindigkeiten von mindestens 118 Kilometern pro Stunde. Darunter spricht man von einem Tropensturm. Diese sind aber keineswegs ungefährlich, weil sie oftmals gigantische Regenmengen im Gepäck haben.



ZEIT ONLINE: Was unterscheidet Harvey noch von bisherigen Tropenstürmen?

Latif: Harvey zieht sehr langsam voran. Deswegen kann er immer wieder Feuchtigkeit vom Golf von Mexiko beziehen und seine ganze Regenfracht konzentriert in einem relativ kleinen Gebiet niederprasseln lassen.


ZEIT ONLINE: In den USA kommt es jedes Jahr zu einer Reihe von Hurrikanen und Tropenstürmen. Sind in dieser Saison schon Besonderheiten zu sehen?

Latif: Um Bilanz zu ziehen, ist es noch zu früh. Die Saison hat offiziell im Juni begonnen und dauert bis Ende November an.

ZEIT ONLINE: Lange schon sagen Forscher: Extremwetterereignisse werden infolge der globalen Erwärmung heftiger, aber nicht häufiger. Stimmt das so noch?

Latif: Nein. Das muss man viel differenziertet betrachten. Es hängt sehr von der Art des Wetterextrems ab. Bei Hurrikanen ist das aber noch der Stand der Forschung.

ZEIT ONLINE: Im Moment fürchten US-Meteorologen, dass der Tropensturm erneut auf Land treffen und noch mehr Wasser an die Küsten bringen könnte. Denken Sie das auch? 

Latif: Auf jeden Fall wird es in den kommenden Tagen weitere extreme Niederschläge in der Region geben. Harvey wird wegen seiner unglaublichen Regenmengen in die Geschichte eingehen.

ZEIT ONLINE: Müssen die USA sind anders auf solche Ereignisse einstellen?

Latif: Ja, das denke ich schon. Es gibt aber auch Grenzen der Anpassung. Und diese erleben wir gerade.

Joe Raedle/Getty Images
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Stimmt. Viele Forscher sind sicher, dass es einen Zusammenhang gibt. Europa soll aber nicht so stark betroffen sein wie andere Kontinente der Erde.

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