Innerhalb der kommenden fünf Jahre will Frankreich den Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat verbieten. Das kündigte Regierungssprecher Christophe Castaner an. Premierminister Édouard Philippe habe entschieden, dass jeglicher Gebrauch von Glyphosat bis 2022 in Frankreich verboten werde, sagte Castaner. Darunter falle auch die Verwendung in der Landwirtschaft.

Die EU-Kommission will die Zulassung für Glyphosat, die Ende dieses Jahres ausläuft, um zehn Jahre verlängern. Die französische Regierung hatte bereits angekündigt, gegen diese Entscheidung stimmen zu wollen.

Landwirte hatten noch am Freitag für den weiteren Einsatz des Herbizids demonstriert und eine Blockade auf dem Champs-Élysées in Paris errichtet. Die Bauern befürchten, dass ein Glyphosatverbot die französische Landwirtschaft schwächen und den Wettbewerb gegen Konkurrenten aus dem Ausland erschweren könne. Zudem werde ein Verbot nicht verhindern, dass Lebensmittel importiert werden, bei deren Anbau weit mehr Pflanzenschutzmittel eingesetzt worden seien.

Der Beweis für ein Krebsrisiko fehlt

Der Einsatz von Glyphosat ist vor allem deshalb in der Kritik, weil darüber diskutiert wird, ob das Mittel krebserregend sein könnte. Seit Jahren streiten Wissenschaftler darüber, welche Studien bei seiner Risikobewertung berücksichtigt und mit welchen Methoden sie ausgewertet werden sollten. Gleichzeitig stehen Europapolitiker unter Zeitdruck: Denn Wirkstoffe wie Glyphosat werden immer nur befristet zugelassen – danach muss das Risiko neu bewertet und eine Genehmigung auf Neuzulassung erteilt werden oder eben nicht.

Für Glyphosat endete die Zulassung im Sommer 2015. Weil der zuständige Ausschuss sich wegen der unklaren Gutachtensituation nicht einigen konnte, entschied die EU-Kommission eigenständig: Sie verlängerte die Genehmigung befristet bis Ende 2017. Für die Europapolitik ist entscheidend, was die zuständigen Behörden sagen: Und das waren in diesem Fall in Deutschland das Bundesinstitut für Risikobewertung, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit und die Europäische Chemikalienagentur (ECHA). All diese Institute schätzen Glyphosat als wahrscheinlich nicht krebserregend ein. Allerdings hatte das Internationale Krebszentrum der Weltgesundheitsorganisation Glyphosat zuvor als "wahrscheinlich krebserregend beim Menschen" eingestuft und den Streit um das Pflanzengift neu entfacht. Bis heute fehlt also der Beweis eines Gesundheitsrisikos.

Zudem stehen Vorwürfe im Raum, dass Wissenschaftler diverser Gremien nicht unabhängig gearbeitet hätten. So steht die Firma Monsanto, der Hersteller von Glyphosat, unter Verdacht, maßgeblich Einfluss auf Studien genommen zu haben – denn im Interesse des Konzerns wäre es, ein Verbot des Herbizids zu verhindern. Das europäische Zulassungsverfahren befindet sich derzeit weiter in der Schwebe.