Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat errechnet, dass radioaktive Isotope, die seit mehreren Tagen in der Luft über Europa gemessen werden, von einer Quelle aus dem südlichen Ural stammen müssen. Das teilten BfS und Bundesumweltministerium am Sonntag mit. Warum jedoch Partikel des radioaktiven Elements Ruthenium-106 festgestellt werden, ist ihnen unklar.

Von den Partikeln gehe keine Gefahr aus. Ihre Konzentration in der Luft sei sehr gering. "Selbst bei konstanter Einatmung über den Zeitraum von einer Woche ergibt sich daraus eine Dosis, die niedriger ist als die, die durch die natürliche Umgebungsstrahlung in einer Stunde aufgenommen wird", heißt es in einer Mitteilung des Umweltministeriums. Die gemessene Dosis ist 100.000 mal kleiner als jene, ab der Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung notwendig seien.

Ein Unfall in einem Atomkraftwerk könne als Ursache ausgeschlossen werden, so das Ministerium. Gemessen wurde nur ein einziges Isotop, Ruthenium-106. Bei einem Unfall in einem Atomkraftwerk würden hingegen viele verschiedene radioaktive Elemente freigesetzt werden.

Ministerium hofft auf Informationen aus Russland

Ruthenium-106 hat eine Halbwertszeit von 373 Tagen. Es wird in der Medizin bei der Therapie von Tumoren eingesetzt. Auch beim Bau von Stromquellen für Satelliten kann es genutzt werden und bei der Wiederaufarbeitung von nuklearen Brennelementen auftreten.

Am 3. Oktober wurden leicht erhöhte Werte von Ruthenium-106 erstmals aus Österreich gemeldet. Am Tag darauf wurden dann auch bei einer Spurenmessstelle in Deutschland geringe Mengen gefunden. Eine Station des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Görlitz hatte bei der Auswertung einer Probe, die zwischen dem 25. September und dem 2. Oktober gesammelt worden war, Spuren des radioaktiven Stoffs gemessen. Auch an weiteren deutschen Messstationen wurden daraufhin Spuren festgestellt.

Das BfS errechnete aus den Werten und der Wetterlage die mögliche Ausbreitung in der Atmosphäre. Die Berechnung deute mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Quelle im südlichen Ural hin. Inzwischen ist sie versiegt und scheint keine weiteren Partikel freizusetzen.

Das Bundesumweltministerium schrieb, es erwarte, dass sowohl verantwortliche russische Stellen als auch die internationale Atomenergiebehörde IAEA schnellstmöglich zur Aufklärung beitragen und mit belastbaren Informationen für Klarheit über die Ursache der erhöhten Rutheniumwerte sorgen.