Erstmals seit drei Jahren verzeichnet der Forscherverbund Global Carbon Project wieder einen Anstieg der globalen CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen und der Industrie. Seit dem Jahr 2014 war der CO2-Ausstoß kaum mehr gestiegen. Im vergangenen Jahr schrieben Forscher desselben Verbundes, die Trendwende könne möglicherweise geschafft sein. Doch das laufende Jahr 2017 macht diese Hoffnungen zunichte: Für dieses Jahr erwarten die Wissenschaftler ein Wachstum von etwa zwei Prozent.

Eine der Autorinnen und Professorin an der britischen Universität East Anglia in Norwich, die Klimaforscherin Corinne Le Quéré, zeigte sich angesichts der jüngsten Entwicklung enttäuscht: Mit der Zunahme der CO2-Emissionen auf geschätzte 41 Milliarden Tonnen in diesem Jahr seien die Klimaziele von Paris nur noch schwer zu erreichen, sagte Le Quéré, die außerdem Direktorin des Tyndall Centres ist, einem Verbund aus acht großen britischen Unis zur Erforschung des Klimawandels und dessen Folgen.

Auf der Klimakonferenz im Jahr 2015 in Paris war vereinbart worden, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, falls möglich sogar auf unter 1,5 Grad.

Die positiven Nachrichten aus dem vergangenen Jahr waren für die Forscher angesichts des weltweiten Wirtschaftswachstums durchaus eine Überraschung. Sie schrieben damals, die Stabilisierung des Emissionslevels sei vor allem dem geringeren Kohleverbrauch in China zu verdanken. Für 2017 hielten sie einen weiteren Rückgang für möglich – doch sie haben sich damit getäuscht: In der Volksrepublik werden die Emissionen 2017 aller Voraussicht nach um 3,5 Prozent steigen. Der dortige Kohleverbrauch werde demnach um drei Prozent steigen. Die neue Entwicklung in China sei maßgeblich für den weltweiten CO2-Ausstoß, sagte Glen Peters, ein weiterer Autor der Studie. Die Volksrepublik sei für 28 Prozent aller Emissionen verantwortlich. "Mehrere Faktoren deuten auch darauf hin, dass sich der Anstieg im Jahr 2018 fortsetzen wird", sagte Peters.

Für Indien, dem drittgrößten Verursacher von CO2-Emissionen nach China und den USA, rechnen die Forscher mit einem Anstieg von zwei Prozent. Auch in 99 anderen Ländern hätten die Emissionen wieder zugenommen.

Weniger CO2-Ausstoß in Deutschland

Die Klimawissenschaftler haben aber auch einige gute Nachrichten: Im vergangenen Jahrzehnt (von 2007 bis 2016) seien die Co2-Emissionen in 22 Ländern zurückgegangen, obwohl gleichzeitig die Wirtschaft gewachsen sei. Darunter falle auch Deutschland. Der Anteil erneuerbarer Energien sei in den vergangenen fünf Jahren weltweit um 14 Prozent jährlich gewachsen und auch die Emissionen im Kohlebereich seien gesunken, schreiben die Forscher. 

In den USA – zweitgrößter CO2-Produzent der Welt –  werden die Emissionen in diesem Jahr voraussichtlich geringfügig um 0,4 Prozent sinken. Doch hat Präsident Donald Trump den Ausstieg aus dem Pariser Klimavertrag und die Stärkung der Kohleindustrie angekündigt. Dennoch zeigen sich die Forscher vorsichtig optimistisch: Die Trump-Regierung könne die Entwicklung erneuerbarer Energien zwar verlangsamen, aber nicht stoppen, schreiben die Forscher.