Insektensterben, Vogelschwund, Bodenerosion, Antibiotika- und Nitrat-belastetes Grundwasser, Lebensmittelskandale und monotone Landschaften: Mehr und mehr Kehrseiten unseres Agrarsystems treten immer deutlicher zu Tage. Die Landwirtschaft hat sich am Weltmarkt ausgerichtet und intensiviert, technisiert sich ständig unter dem wirtschaftspolitischen Wachstumsmantra. Höfe sterben, Arbeitsplätze gehen verloren.

Mit dem Argument, Arbeitsplätze zu schaffen oder zu erhalten, werden in anderen Branchen Steuerzuschüsse gerechtfertigt. In der Landwirtschaft scheint diese Logik nicht mehr zu gelten. Die Milliarden Euro Agrarsubventionen haben nicht zu mehr Arbeitsplätzen geführt. Im Gegenteil: 1999 gab es noch 470.000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland mit über 1,4 Millionen Mitarbeitern. 2016 waren es nur noch 275.000 Betriebe mit 940.000 landwirtschaftlichen Arbeitskräften.

Obwohl die Probleme seit Langem bekannt sind, ändert sich wenig. Weiter auf die Politik zu warten, reicht nicht. Was aber kann jeder einzelne tun, um eine nachhaltigere und gesunde Landwirtschaft zu fördern?

Die meisten Verbraucher sind mündiger, als Politiker glauben wollen. Jeder einzelne kann etwas bewirken. Wir können bewusst genießen und Abfall vermeiden, indem wir Klasse statt Masse kaufen. Wir können regionale und saisonale Produkte bevorzugen und uns für Bio und Fairtrade entscheiden. Das mag mehr kosten. Doch mit weniger Fleisch, Zuckerwaren, Limonaden, Fertiggerichten und anderen Produkten, die im Übermaß ungesund sind, ließe sich wiederum sparen. Statt online Lebensmittel zu bestellen, sollten wir in Hofläden und auf dem Bauernmarkt einkaufen. Das käme direkt den regionalen Landwirten zugute. Eine ökologische und regionale Versorgung muss selbst in einer Großstadt wie Hamburg keine Utopie sein, wie kürzlich eine Studie der Hamburger HafenCity Universität belegte.

Immer wieder heißt es außerdem, Konsumenten seien nicht bereit, mehr für hochwertige Lebensmittel zu bezahlen. Viele halten sich zwar Hunde, Katzen und andere Haustiere und geben jedes Jahr über neun Milliarden Euro für Futter, Tierarztkosten, Spielzeug aus. Mehr investieren will die Mehrheit angeblich nicht, um Wildtiere und -kräuter vor Pestiziden und Schweine, Rinder und Hühner vor der Tortur der Massentierhaltung zu bewahren. Doch das stimmt gar nicht. Eine Umfrage des Bundeslandwirtschaftsministeriums zeigt, dass drei Viertel der Verbraucherinnen und Verbraucher für mehr Tierwohl auch einen entsprechend höheren Preis zahlen würden.