Wilde Reis- und Weizenarten stehen jetzt auf der Roten Liste – und gelten damit als bedroht. Der Weltnaturschutzunion IUCN zufolge gefährdet das die Ernährungssicherheit. "Gesunde, artenreiche Ökosysteme sind elementar für unsere Fähigkeit, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren und den Hunger in der Welt zu besiegen", sagte IUCN-Generaldirektorin Inger Andersen bei der Vorstellung der Liste.

Landwirtschaft und Bebauung seien schädlich für die wilden Verwandten von Feldfrüchten wie Reis und Weizen. Jane Smart, Direktorin für Biodiversität der IUCN, sagte, es sei notwendig, Pflanzen zu entwickeln, die mit dem Klimawandel zurechtkämen. Dafür sei es wichtig, die wilden Verwandten dieser Feldfrüchte zu bewahren. Denn nur sie enthielten die genetische Vielfalt, die für die Zucht von widerstandsfähigerem Saatgut wichtig sei.

Von 25 untersuchten wilden Reisarten sind laut IUCN drei bedroht. Beim wilden Weizen sind es zwei von 26 erfassten Arten. Auch 17 der 44 untersuchten Yamswurzelarten gelten als bedroht. Yamswurzeln sind besonders in Afrika ein weit verbreitetes Nahrungsmittel. Wie die IUCN mitteilte, mangele es diesen wilden Verwandten unserer Nutzpflanzen inzwischen an Platz – etwa durch Bebauung oder zu intensive Beweidung. Hinzu komme der übermäßige Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden in der Landwirtschaft.

Die IUCN sammelt regelmäßig Informationen über die Populationen von Tier-, Pilz- und Pflanzenarten. Damit aktualisiert sie regelmäßig die Rote Liste, auf der bedrohte und ausgestorbene Arten erfasst werden. Rund 91.500 Arten wurden für die aktuelle Liste untersucht – ein Bruchteil der geschätzten zehn Millionen Tier- und Pflanzenarten auf der Erde. 25.000 der untersuchten Arten sind laut IUCN bedroht. Die Zahl in der Kategorie "vom Aussterben bedroht" beläuft sich auf 5.583.

Ausgestorbene Arten auf den Weihnachtsinseln

Durch Fischerei und Wasserverschmutzung geht laut IUCN die Population einiger Wal- und Delfinarten zurück. Insbesondere der Bestand des Irawadidelfins (Orcaella brevirostris) und des Glattschweinswals (Neophocaena asiaeorientalis) seien stark gefährdet. Beide Arten leben in südostasiatischen Küstenregionen und galten schon seit einigen Jahren als gefährdet. Nicht nur die Wasserverschmutzung ist für sie gefährlich. Die Tiere werden auch häufig in Netzen gefangen, aus denen sie sich nicht befreien können. Nun haben die Wissenschaftler der IUCN geschätzt, dass sich der Bestand des Irawadidelfins in den vergangenen 60 Jahren mehr als halbiert hat. 

Laut der Weltnaturschutzunion liegt die Zahl der gänzlich ausgestorbenen Arten bei 866. So gelten seit diesem Jahr auch die Weihnachtsinsel-Zwergfledermaus (Pipistrellus murrayi) und drei Reptilienarten, die ebenfalls auf den Weihnachtsinseln heimisch waren, offiziell als ausgestorben. Schon seit Jahren waren keine lebenden Exemplare mehr beobachtet worden. Versuche, die Tiere zu erhalten, waren erfolglos.

Eine Variante des Gewöhnlichen Ringbeutlers (Pseudocheirus peregrinus occidentalis) stehe wegen des zunehmenden heißen Klimas in Australien inzwischen kurz vor dem Aussterben.

Gute Neuigkeiten gibt es hingegen für zwei Kiwi-Vogelarten in Neuseeland. Mit Hilfe von Naturschützern hat sich ihr Bestand erholt. Kiwis sind nur rund 35 Zentimeter groß und können nicht fliegen. Das macht sie anfällig für eingeschleppte Raubtiere. Der IUCN zufolge gingen Naturschützer in den vergangenen Jahren vermehrt gegen solche Raubtiere vor und verstärkten den Schutz von Kiwi-Eiern. Das hat sich ausgezahlt: Beide Arten konnte sich erholen und gelten jetzt nicht mehr als stark gefährdet.