Was es an Utahs Naturerbe zu schützen gibt? Jede Menge. Umweltschützer sind entsetzt, dass US-Präsident Trump zwei bisher speziell geschützte Gebiete in Utah massiv verkleinern will: Bears Ears und Grand Staircase-Escalante. Und das quasi über Nacht. Doch mehr noch als bedrohte Tiere, Pflanzen und Ökosysteme geht es hier um das historische Erbe Amerikas.

Das Land beherbergt heilige Stätten indigener Ureinwohner, archäologische Grabungsstätten und Relikte früher Kulturen Nordamerikas. Und es ist voller Bodenschätze. Auf die Seite derer, die sie ausbeuten wollen, hat sich der Präsident geschlagen. Welche Folgen wird diese Entscheidung haben? Und was genau stand und steht dort unter Schutz? Das Wichtigste im Überblick:

Ein "National Monument" – was bedeutet das?

In den USA unterscheidet man Nationalparks (National Parks) und Nationaldenkmäler (National Monuments). Letztere sind von der US-Regierung ausgewiesene Schutz- oder Gedenkstätten. Etwa 130 Orte haben derzeit einen solchen Status. Sie dürfen ohne Zustimmung des Kongresses von US-Präsidenten eingerichtet werden. Genauso kann ein Präsident diesen Status aber auch legal wieder aberkennen oder einschränken. Geregelt ist das im American Antiquities Act. Ursprung dieses Gesetzes aus dem Jahr 1906 ist der fortwährende Konflikt um das kulturelle Erbe indigener Ureinwohner Nordamerikas.

Vom Staat eingerichtete Nationaldenkmäler dienen entsprechend vor allem dem Erhalt kultureller, historischer und archäologischer Stätten, weshalb in den ausgewiesenen Gebieten nur eingeschränkt gesiedelt und Wirtschaft betrieben werden darf. Das daraus auch ein Schutz von Natur- und Umwelt, also die Erhaltung einzelner bedrohter Tier- und Pflanzenarten, resultiert, ist eher ein Nebeneffekt.

Wofür sind die Bears Ears bekannt?

Die "Bären-Ohren", die dem Nationalmonument seinen Namen gaben, sind eine Formation aus zwei Tafelbergen im Südwesten des Bundesstaates Utah in San Juan County. Insgesamt umfasst das Schutzgebiet, das erst 2016 von Trumps Vorgänger Barack Obama eingerichtet wurde, fast 5.500 Quadratkilometer. Das ist in etwa die Fläche aller Baleareninseln zusammen. Die Landschaft ist geprägt von Schluchten aus Sandstein, typischen Tafelbergen der nordamerikanischen Prärie – von Geologen auch mesas (deutsch: Tische) genannt. Auf 85 Prozent der bisher unter Schutz gestellten Fläche will Donald Trump eine wirtschaftliche Nutzung ermöglichen.

Das Gebiet wird seit Jahrtausenden von indigenen Völkern und Stämmen bewohnt und als Weideland genutzt. In Konkurrenz dazu hat der Staat Utah Interesse, das Land industriell, etwa zum Abbau von Rohstoffen, zu nutzen: vor allem Erdöl und Gas. Der Streit um die Bears Ears ist nicht erst seit der Präsidentschaft Donald Trumps ausgebrochen. Naturschützer und Vertreter indigener Gruppen hatten unter Barack Obama einen Erfolg erzielt. Vor allem Navajo-, Hopi-, Ute- und Zuñi-Stammesangehörige kämpften für das Nationaldenkmal. In den Bears Ears finden sich unter anderem Ruinen historischer Dörfer, Felszeichnungen sowie die Überreste von Grabstätten. Diese archäologischen Schätze sind teils mehr als 2.000 Jahre alt. Ein Großteil davon bleibt voraussichtlich geschützt, das Gebiet um sie herum jedoch könnte dank Donald Trump nun für Firmen geöffnet werden, die hier Bodenschätze fördern wollen.

Was ist in Grand Staircase-Escalante schützenswert?

1996 von Präsident Bill Clinton zum Schutzgebiet erklärt, ist Grand Staircase-Escalante das derzeit größte Nationaldenkmal der Vereinigten Staaten. Seine von Felsformationen geprägte Landschaft erstreckt sich über eine Fläche von rund 7.600 Quadratkilometern und ist damit etwas größer als Südtirol. Seinen Namen "Große Treppe" bekam das Gebiet durch seine stufenweise aufgeschichteten Felsformationen. Das sind Sedimentschichten, die sich aus dem Colorado-Plateau westlich der Rocky Mountains geformt haben.

Neben bedeutenden archäologischen Fundstätten und historischen Orten mit prähistorischen Felszeichnungen ist das Gebiet ein wichtiger Lebensraum für viele, teils endemische – also nur dort vorkommende – Tiere und Pflanzen. Im Jahr 2002 untersuchten Zoologen (Monographs of the Western North American Naturalist: Flinders et al., 2002, PDF) zum Beispiel, welche Säugetiere dort heimisch sind. Dabei erfassten sie eine große Artenvielfalt an Fledermäusen und Nagetieren – außerdem Grau- und Rotfüchse, Kojoten, Pumas und Amerikanische Schwarzbären.

Außerdem beherbergt das Gebiet eine der wichtigsten Ausgrabungsstätten der Welt für Dinosaurier-Forscher: die Wahweap-Formation. Dort entdeckten Paläontologen sensationelle Fossilien von großen Dinosauriern und Säugetieren, vermutlich aus der späten Kreidezeit, die einander zum Opfer fielen (Geological Society of America: Simpson et al,. 2010). Eine ganze Reihe von Dinosaurier-Spezies (PlosOne: Lund et al., 2016) wurde anhand von Überresten aus dieser Fundstätte erstmals beschrieben.

Ähnlich wie Trumps Einschränkung des Schutzstatus für etwa die Hälfte des Gebietes, war auch die Einrichtung von Grand Staircase-Escalante als Nationalmonument durch Bill Clinton vor mehr als 20 Jahren stark umstritten: Der damalige Präsident traf seine Entscheidung ebenfalls ohne Vorwarnung und ohne Einbeziehung der Bürger und Anwohner. Dies führte zu einem Vertrauensverlust unter den Bürgern, wie zwei Soziologinnen der Universitäten Utah und Michigan in einer Analyse von 2013 schreiben (Human Ecology: Petrzelka/Marquart-Pyatt, 2013).

Ist die Entscheidung umkehrbar?

Zahlreiche Organisationen haben bereits rechtliche Schritte gegen Trumps Entscheidung angekündigt. Zu den möglichen Klägern zählen auch Stämme unter anderem der Navajo, der Ureinwohner der Gegend.

Die Verkleinerung der beiden Schutzgebiete im Staate Utah, fürchten viele, dürfte erst der Anfang einer weitreichenden Initiative des US-Präsidenten sein, noch mehr Gebiete unter Nationaldenkmal-Status für die Förderung von Bodenschätzen nutzbar zu machen. US-Innenminister Ryan Zinke hatte in den vergangenen Monaten einen Bericht erarbeitet, in dem 27 seit 1996 ausgerufenen Nationaldenkmäler neu bewertet werden sollten. Zehn davon stehen nun infrage. Das Ziel des Ministers, wie er selbst sagt: den "ungeheuerlichen Gebrauch von Regierungsmacht" früherer Amtsinhaber zu revidieren.

Am Ende könnte sogar der oberste Gerichtshof Amerikas entscheiden. Da Trump nach dem eingangs erwähnten American Antiquities Act handelte, ist zu klären, wie weit dieser ausgelegt werden kann. Nach Ansicht der Trump-Regierung entscheidet nämlich laut Gesetz allein der amtierende Präsident, welche historischen und archäologischen Stätten schutzbedürftig sind. Und in dieser Frage ist Donald Trump eben anderer Ansicht als seine demokratischen Vorgänger. Und tatsächlich haben auch andere Präsidenten vor ihm schon Nationaldenkmäler beschnitten. So strich Woodrow Wilson einst den Schutzstatus von Mount Olympus zusammen und Franklin Roosevelt verkleinerte das Grand Canyon Monument.