Kleinste Plastikpartikel kommen in Deutschland inzwischen nahezu flächendeckend an der Oberfläche von Fließgewässern vor. Das ist das Ergebnis einer länderübergreifenden Pilotstudie, bei der Binnengewässer überwiegend im Einzugsgebiet von Rhein und Donau untersucht wurden (Heß et al., 2018). Mikroplastik stammt von weggeworfenen Kunststoffprodukten oder aus Waschmitteln und Kosmetika. Über seine Auswirkungen auf Mensch und Umwelt ist noch wenig bekannt.

Für die Studie hatten die Landesumweltämter ab dem Herbst 2014 ein Jahr lang Wasserproben entnommen. Die Messstellen waren in Baden-Württemberg, aber auch in Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Die Forscherinnen und Forscher beprobten insgesamt 25 Flüsse und Binnengewässer im Einzugsgebiet des Rheins (37 Messstellen), der Donau (16) und der Weser (1). Ein Team am Lehrstuhl für Tierökologie der Universität Bayreuth wertete die Proben aus. Insgesamt analysierte es mehr als 19.000 gefundene Objekte. 4.300 davon, also fast ein Viertel, waren kleine Plastikteilchen.

Die Plastikteilchen wurden hinsichtlich ihrer Größe, Form und Beschaffenheit untersucht. Plastik fand das Team um den Tierökologen Christian Laforsch an jeder Messstelle. Bei den allermeisten Teilchen handelte es sich um Mikroplastik mit einer Größe von weniger als fünf Millimetern im Durchmesser. Die Gruppe kommt zu dem Schluss, dass man von einer "zivilisatorischen Grundlast von Mikroplastik in den Gewässern" ausgehen müsse. Um Aufschluss über die Auswirkungen der Partikel zu erlangen, seien dringend weitere Forschungen auf Bundes- und EU-Ebene nötig.

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Erst diese Woche veröffentlichten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Manchester, die zehn britische Flüsse auf Mikroplastik untersucht hatten, ihre Ergebnisse. Laut ihrer Studie sind die britischen Flüsse deutlich stärker mit Mikroplastik belastet als erwartet (Nature Geoscience, Hurley et al. 2018). Auch fanden sie heraus, dass Hochwasser bis zu 70 Prozent der Plastikteilchen aus den Flusssedimenten ins Meer spülen können.

Die Kunststoffpartikel befinden sich in Reinigungsmitteln wie Waschpulver, Shampoo sowie in Kosmetik und gelangen über das Abwasser in die Umwelt. Außerdem entstehen sie, wenn sich weggeworfene Plastiktüten oder -flaschen zersetzen. Auch beim Waschen von Synthetik-Kleidung können sich kleinste Faserteile lösen. Der Begriff umfasst also sowohl sichtbare Teilchen – wie beispielsweise die kleinen Kügelchen in Duschpeelings –, gemeint sind aber auch beinahe unsichtbare Plastikteile, die sich immer weiter zersetzen. Der Minimüll findet sich nicht nur in Flüssen und Meeren, sondern wurde auch bereits in arktischem Eis, fernab von menschlicher Besiedelung, nachgewiesen. Auch in die Tiefsee sind Mikroplastikpartikel vorgedrungen.